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Betreuung von Demenzkranken – ein Interview mit Daniela Hiller

Daniela HillerIn Deutschland leben 1,4 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Aufgrund des immer höheren Altersdurchschnitts der deutschen Bevölkerung wird diese Zahl in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit sagen voraus, dass es im Jahr 2030 über zwei Millionen Demenzkranke geben wird. Durch diese Entwicklung wird auch die Jedermann Gruppe vor immer neue Herausforderungen gestellt. In unserem ausführlichen Interview sprechen wir mit Daniela Hiller, Leiterin der Tagespflege und der Dementen-Wohngemeinschaft der Jedermann Gruppe, über die Betreuung von Demenzkranken, Anforderungen an das Pflegepersonal und Ratschläge für Angehörige von Betroffenen.

Interview mit Daniela Hiller über die Betreuung von Demenzkranken

Redaktion: Seit wann sind Sie Leiterin der Dementen WG?

Daniela Hiller: Die Leitung der Wohngemeinschaften habe ich im April 2008 mit der Gründung der Demenzwohngemeinschaften übernommen. Wir haben mit zwei Wohngemeinschaften in der Potsdamer Straße in der Stadt Brandenburg angefangen, im September folgte dann eine dritte Wohngemeinschaft im Re-Generationenhaus am Hauptbahnhof.

Wie lange sind Sie bereits bei der Jedermann Gruppe? In welcher Funktion haben Sie angefangen?

Ich bin seit 1999 bei der Jedermann Gruppe und habe damals als Altenpflegerin im ambulanten Bereich begonnen.



Wie viele Gäste werden in der Dementen WG betreut?


In den Wohngemeinschaften werden insgesamt 30 Bewohnerinnen und Bewohner betreut.


Welche Herausforderungen gilt es bei der Betreuung von dementen Personen zu meistern?


Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Demenzwohngemeinschaften müssen sich mit dem Krankheitsbild Demenz vertraut machen und mit den verschiedensten Herausforderungen umgehen können. Die Begleitung von dementen Menschen kann zu psychischen und physischen Belastungen führen. In den Anfängen der Demenz sind die Betroffenen oft unruhig oder depressiv. Die Menschen kommen mit den veränderten Lebensverhältnissen nicht zurecht. Wir müssen versuchen, ihnen dabei zu helfen. Wenn die Pflegenden das Krankheitsbild verstehen, dann können sie auch die Ängste und Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner verstehen. Dementsprechend erfordert die Pflege von Demenzpatienten besonderes Einfühlungsvermögen, wir Pflegenden sollten den Bewohnern eine sichere Umgebung schaffen und Stressfaktoren vermeiden. Auf diese Weise versuchen wir eine vertrauensvolle Beziehung zu den Bewohnerinnen und Bewohner aufzubauen. Die Würde der Betroffenen hat hier oberste Priorität, denn alle Bewohner haben eine Biografie vor der Erkrankung.

Leben in der WG an Demenz erkrankte Personen, bei denen die Krankheit unterschiedlich weit fortgeschritten ist? Wie ist das Krankheitsbild?

Die Bewohnerinnen und Bewohner in unseren Wohngemeinschaften befinden sich in der Erkrankung in unterschiedlichen Stadien, von Stadium 1 bis Stadium 3. Die Demenz ist ein chronisch fortschreitender Hirnabbau mit dem Verlust früherer Denkfähigkeiten. Es ist eine Beeinträchtigung der höheren Hirnfunktionen einschließlich des Gedächtnisses und der Fähigkeit, Alltagsprobleme selbstständig zu lösen. Ebenso geht die Kontrolle der emotionalen Reaktionen verloren. Der Verlauf der Krankheit ist fortschreitend.



Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jedermann Gruppe speziell geschult?


Die Mitarbeiter in den Demenz-Wohngemeinschaften der Jedermann Gruppe haben mindestens einen 200-stündigen Basiskurs absolviert, um optimal und speziell auf die Betreuung und Versorgung von demenzkranken Personen vorbereitet zu sein. Einige unserer Pflegefachkräfte haben bereits einen Kurs über 400 Fachstunden absolviert. Ich habe zudem die Zusatzausbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft durchlaufen.



Was sind die Gründe für eine Betreuung in den Wohngemeinschaften?

Der häufigste Grund für den Umzug in die Demenz-Wohngemeinschaft ist, dass die Bewohner ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können. Oft sind die Angehörigen noch berufstätig und können deshalb nicht über 24 Stunden bei ihren Angehörigen sein. Ein weiteres Kriterium ist die Eigengefährdung der Betroffenen.

Was können Sie Betroffenen raten, die einen solchen Fall in der Familie haben? Was sind die größten Sorgen und Fragen der Angehörigen?

Ich kann Angehörigen von Betroffenen raten, sich intensiv mit dem Krankheitsbild der Demenz auseinanderzusetzen. Wenn sie Veränderungen bei ihren Angehörigen feststellen, dann sollte schnell eine Diagnostik stattfinden, um Gewissheit über ihren Gesundheitszustand zu erlangen. Doch nicht jedes Vergessen bedeutet gleich, an einer Demenz erkrankt zu sein. In den zahlreichen Gesprächen mit Angehörigen stehen folgende Aspekte im Fokus: Was wird wenn die Krankheit fortschreitet? Wie kann der Betroffene weiter versorgt werden?

Manchmal reicht es aus, wenn eine Betreuung am Tage organisiert wird oder wenn ein ambulanter Dienst die Tagesversorgung übernimmt. Das genaue Vorgehen ist stark von der Entwicklung der Krankheit abhängig. Es ist für die Demenzpatienten immer von Vorteil, wenn sie so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Wichtig für die Versorgung von dementen Menschen ist auch, dass es eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuung gibt. Aufgrund der zunehmenden Minderung der Gedächtnisleistungen können auch Dinge des täglichen Lebens nicht mehr von den Betroffenen gemeistert werden. 
Eine weitere Sorge der Angehörigen ist sehr häufig die Finanzierung der Pflege. Hier gibt es die Möglichkeit, über die Pflegekasse des Betroffenen einen Antrag zu stellen, der die Feststellung der Pflegebedürftigkeit auf der Basis einer Begutachtung durch den medizinischen Dienst einleitet. Je nach Pflegestufe erhalten die Betroffenen dann ein Pflegegeld. Dieses kann für ambulante Pflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege verwendet werden. Menschen mit einer Demenz haben auch die Möglichkeit, zusätzliche Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten.



Fehlt es an pflegerischem Nachwuchs in den Demenz-Wohngemeinschaften?


Ich denke, an pflegerischem Nachwuchs fehlt es in allen Bereichen der Pflege. Die Arbeit im Bereich der Demenzpflege ist nicht für jeden etwas. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Patienten und das Krankheitsbild der Demenz. Wir bieten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch an, sich in internen Weiterbildungen auf das Krankheitsbild und den Umgang mit Dementen schulen zu lassen.

Frau Hiller, vielen Dank für das Gespräch und den ausführlichen Einblick in die Arbeit der Demenz-Wohngemeinschaften der Jedermann Gruppe.

Hier finden Sie Stellenangebote der Jedermann Gruppe.