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Ehrenamt im Hospiz – Interview mit Monika Herrmann

Hospiz Ehrenamt

Monika Herrmann ist eine Geschichtslehrerin, die ehrenamtlich einmal in der Woche das Jedermann Hospiz in Brandenburg an der Havel besucht, um dort Zeit mit den Patienten zu verbringen. Wir haben sie zu ihren Erfahrungen und ihren Eindrücken befragt.

Wie sind Sie darauf gekommen, sich ehrenamtlich im Hospiz zu betätigen?

Ich hab mir gedacht, eigentlich möchtest du als Rentner mal gerne ehrenamtlich was machen. Aber da ich noch ein bisschen Zeit hatte bis zur Rente, habe ich mir überlegt, da müsstest du dir jetzt was suchen, damit nicht nachher alles neu ist.

Zuerst hab ich Gefangenenhilfe probiert, das war dann aber doch nicht so das richtige, als der Gefangene bei mir vor der Tür stand.

Und dann gab es eine Annonce in der Zeitung, dass man ehrenamtliche Helfer im Hospiz sucht. Das hat mich interessiert, und da habe ich gedacht, probierst du’s mal. Und ich hab’s auch nicht bereut, muss ich sagen.

Stellt die Arbeit im Hospiz eine Belastung dar?

Erstaunlicherweise belastet es mich nicht so sehr. Die Schwestern und die Leiterin sind allerdings auch total toll. Wenn’s mal Probleme gibt, fangen die das sehr gut auf.

Monika Herrmann und ihr Patient beim Spaziergang

Zu Anfang war es vielleicht noch ein bisschen schwierig. Da wusste ich auch noch nicht, ob es klappt. Aber ich habe auch Glück gehabt. Gleich zu Beginn habe ich eine Frau betreut, die ein Bild ihrer Enkelin an der Wand hatte, die Schülerin bei mir war. Und über diesen Weg sind wir uns dann sehr nahe gekommen.

Als sie starb, war ich sehr traurig und habe auf dem Flur gestanden und geweint. Schwester Katrin, die Leiterin, zu mir gesagt, ich solle doch nach Hause gehen. Aber ich habe mich gleich wieder gefangen, ich wollte meine Betreuung weiter machen. Es ist ja nur einmal in der Woche. Und dann hat sie gesagt: “Na dann gehen Sie mal in dieses Zimmer zu dem Herrn.”

Und das war ganz toll. Dieser Mann, der auch schon einige Zeit in diesem Hospiz war, hat mich dann getröstet. Und daraus ist eine tolle Freundschaft entstanden. Er war sehr lange im Hospiz und ist dann sogar noch ausgezogen. Er hat mich nachher zu seinem Geburtstag eingeladen und es war ein total schöner Anfang für mich. Und danach war eigentlich das Eis gebrochen, dann hatte ich auch nicht mehr so die Probleme.

Haben Sie auch Kontakt zu Mitarbeitern?

Wir haben Treffen mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern, den Schwestern und mit Frau Lindner, die uns betreut und Weiterbildungen macht. Das ist wirkliche eine Truppe dort, in der ich mich total wohl fühle und in der Probleme auch sehr gut aufgearbeitet werden.
Inzwischen haben wir Ehrenamtlichen untereinander auch einen sehr guten Kontakt gefunden.

Was machen Sie während Ihrer Tätigkeit?

Gerade habe ich einen Patienten, mit dem gehe ich gerne Eis essen, der freut sich dann. Oder mal einen Kaffee trinken irgendwo außerhalb. Ich schiebe ihn dann mit dem Rollstuhl die Straße entlang und dann gucken wir mal, wo wir einen kleinen Moment einkehren. Dann raucht er seine Zigarette dort und wir fahren wieder zurück.

Ehrenamt im Hospiz

Manche wollen auch bloß erzählen. Oder wenn es ihnen sehr schlecht geht, da setze ich mich auch mal bloß an’s Bett und halte die Hand, streichle sie oder bin einfach da. Ich spreche leise mit ihnen, wenn sie dann in einem Zustand sind, in dem sie das vielleicht noch mitbekommen, aber eben nicht mehr antworten können.

Hat sich für Sie etwas geändert durch das Ehrenamt?

Ja, auf jeden Fall. Man nimmt das Leben schon ganz anders wahr, weil man ja auch jeden Freitag da rausgeht und sagt: Nutze deine Zeit, du bist noch gesund, du kannst jetzt noch 1000 Sachen machen. Und man nimmt auch manches nicht mehr so richtig ernst. Gerade bei den kleinen Dingen, über die man sich ja manchmal aufregt, kommt dann irgendwo der Punkt, an dem ich mir sage, also komm, das ist eigentlich nicht das Entscheidende.

Monika Herrmann und ihr Patient

Können Sie uns noch eine kleine Anekdote erzählen?

Es gibt ein paar Sachen, bei denen man hinterher immer mal wieder an die Patienten denken muss. Zum Beispiel hatte ich eine Patientin, die mir erklärt hat, aufgrund ihrer Behinderung und ihrer Krankheit müssten bestimmte Sachen speziell für sie vorbereitet werden.

Sie erzählte mir, dass man das Toilettenpapier auf eine bestimmte Art und Weise aufhängen muss, damit es nach vorne abrollt. Und jedes Mal, wenn ich jetzt eine Toilettenpapierrolle wechsle, muss ich an die Patientin denken und mache das auch immer richtig, weil sie das so erklärt hat. Ansonsten würde man da ja nie drüber nachdenken!

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Herrmann! Wir sind wirklich froh, eine solch herzliche und fürsorgliche Person im Ehrenamt bei uns zu haben.