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„Die Männer tasten sich langsam an den Beruf des Pflegers heran“

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Nach außen hin gilt ein Job in der Kranken- und Altenpflege im Allgemeinen noch immer als klassischer Frauenberuf. Laut Angaben des statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2002 noch 87 Prozent der Auszubildenden in der Gesundheitsbranche weiblich. Bei neuen Krankenschwestern und Krankenpflegern handelte es sich bei vier von fünf Personen um Frauen. Dieses Gesamtbild befindet sich im Wandel und wird sich auch weiterhin verschieben. Männliche Pfleger sind seit langem keine Seltenheit mehr. Wir sprechen mit dem Mitarbeiter der Jedermann Gruppe Alexander Willing über Männer in der Pflege, Vorurteile und wichtige Charaktereigenschaften, die neue Pfleger mitbringen sollten.

Die Redaktion: Herr Willing, wie lange arbeiten Sie für die Jedermann Gruppe und wo liegt ihr Einsatzbereich?

Alexander Willing: Ich arbeite jetzt seit über einem Jahr bei der Jedermann Gruppe. Angefangen habe ich genau am 01. April des vergangenen Jahres. Beschäftigt bin ich in der Kurzzeitpflege in der Magdeburger Straße.

Warum haben Sie sich entschieden in der Pflege zu arbeiten?

Als kleiner Knirps war ich oft bei der Arbeitsstelle meiner Mutter, sie war ebenfalls Altenpflegerin. Dort habe ich erfahren wie dankbar die Menschen sind, wenn man sie im Alltag unterstützt und ihnen Hilfe anbietet. So bin ich immer mehr mit dem Beruf des Altenpflegers in Kontakt gekommen und habe mich entschlossen, das zu leisten, was auch meine Mutter heute noch Tag für Tag leistet.

Hat Ihnen damals jemand gesagt: „Aber das ist doch ein Frauenberuf“?

Das hat mir eigentlich so niemand gesagt. Ich habe natürlich gesehen, dass in der Pflege deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten. Aber damit habe ich kein Problem, ich wollte einfach das machen, was mir Freude bereitet.

Wurden Sie von Ihren Kolleginnen gut aufgenommen?

Absolut, wir haben auf Anhieb einen Draht zueinander gefunden. Die Zusammenarbeit lief vom ersten Tag an reibungslos und erfolgreich ab.

Wie hat sich die Zahl der Männer bei der Jedermann Gruppe seit Ihrer Anfangszeit entwickelt?

Als ich bei der Jedermann Gruppe anfing, waren deutlich mehr Frauen als Männer in den einzelnen Teams. Heute, würde ich aus meiner Erfahrung schätzen, hat die Zahl der männlichen Mitarbeiter in der Pflege sichtlich zugenommen. Und das nur innerhalb eines Jahres.

Würden Sie jungen Männern raten, den Weg in die Pflege zu gehen?

Jeder sollte das machen, was er für richtig hält. Ich sage nur: Der Job des Alten- und Krankenpflegers ist ein Beruf wie jeder anderer auch. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden und erfolgreich Karriere zu machen. Jeder Tag ist anders, da wir eben nicht am Fließband arbeiten, sondern hautnah mit Menschen interagieren. Das ist doch das Interessante.

Gibt es bei einigen Männern eventuell noch Vorurteile gegenüber dem Pflegeberuf?

Ich glaube viele Männer denken, wenn sie den Begriff Pflege hören, immer an bestimme Aufgaben, die sie eher ungern erledigen. Die Realität ist aber viel mehr als das und sieht ganz anders aus. Womöglich hängt das auch damit zusammen, dass die Pflege lange ein reiner Frauenberuf war und die Männer sich jetzt erst langsam an den Beruf des Pflegers herantasten. Ich rate jedem, der sich für einen Job im Bereich der Pflege interessiert, ein Praktikum bei der Jedermann Gruppe zu absolvieren, um erste Einblicke in den Beruf gewinnen zu können.

Welche Charaktereigenschaften sollten Bewerber und Bewerberinnen mitbringen?

Man sollte hilfsbereit, freundlich und für vieles Verständnis zeigen. Ein starker Charakter schadet nicht, da man sich auch mit Themen wie Verlust und Tod auseinandersetzen muss.

Bringen Männer auch Eigenschaften mit, die in einem weiblichen Umfeld bei der Arbeit helfen können?

Ich denke das tun sie. Ein Mann sieht vieles aus einem anderen Blickwinkel, das kann dann schnell und unkompliziert zur Lösung von Problemen führen. Wir machen vielleicht einiges etwas ruhiger und mit weniger Hektik. Trotzdem braucht es natürlich die richtige Mischung, ein reines Männerunternehmen würde nicht funktionieren.

Herr Willing, vielen Dank für das Gespräch.