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Marias letzte Reise – Filmrezension

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Gibt es eigentlich neben dem beliebten Film „Ziemlich beste Freunde” auch andere Filme, in denen die Pflege von Menschen thematisiert wird? Nach einem Gespräch mit unserer Hospiz-Mitarbeiterin Nicole Schäfer können wir diese Frage mit einem ganz klaren JA beantworten. Daher wird sie diesen Blog in Zukunft mit ihren persönlichen Filmempfehlungen bereichern.

Marias letzte Reise

Hauptrolle: Monika Bleibtreu
erschienen im Bayrischen Rundfunk

Auszeichnungen:

  • Deutscher Fernsehpreis 2005
  • Blauer Panther 2005
  • 3sat Zuschauerpreis 2005
  • Grimme Preis 2006

Inhalt des Films

In „Marias letzte Reise“ geht es um die krebskranke Maria (Monika Bleibtreu), die unbedingt in ihrem gewohnten Umfeld zur Ruhe kommen und sterben möchte.
Sie lehnt alle weiteren Chemotherapien ab und wird ab sofort zu Hause, auf ihrem Hof, von Klinikschwester Andrea betreut. Maria hat Probleme, Hilfe und für die Pflege notwendige Dinge anzunehmen. Auch Schwester Andrea scheint schnell zu bemerken, dass sie hier mit ihrem „Krankenhauslatein“ nicht weiter kommt. Schließlich lassen sich beide auf den Heilpraktiker Dr. Wu ein, der auf seine Art versucht Maria zu helfen. Als alle Beteiligten merken, dass es so nicht weitergehen kann, holt sich Andrea Rat und Unterstützung in einem Hospiz und von einem Palliativteam. Andrea hilft Maria, alle Familienangelegenheiten zu klären und ihr die letzten Wünsche zu erfüllen. Beide, Maria und Andrea, freunden sich an und Andrea stellt für sich fest, wie wichtig eine zufriedenstellende Sterbebegleitung ist. Durch die vielen intensiven Gespräche, sei es mit Maria oder anderen Familienmitgliedern, lernt auch Andrea, ihr eigenes Leben richtig zu deuten und es selbst in die Hand zu nehmen.

Zur Hauptdarstellerin

Monika Bleibtreu spielt ihre Rolle meiner Meinung nach in diesem Film sehr authentisch
und überaus überzeugend. An keiner Stelle des Films wirkt ihre Rolle daneben oder sinnentstellt. Vielmehr scheint sie ihre Rolle zu Leben und sich in Maria überaus einfühlen zu können. Selbst Mimik und Gestik, die in vielen Filmen geziert und unrealistisch erscheinen, wirken in keiner Weise überzogen. Meiner Meinung nach ist Monika Bleibtreu mit der Rolle der Maria eine schauspielerische Meisterleistung gelungen.

Meine Meinung zum Film

Wird Maria in dem Film auch als stur und eigensinnig dargestellt, so bin ich der Auffassung, dass sie lediglich genau weiß, was sie will und eine ziemlich genaue Vorstellung davon hat, wie ihre letzte Zeit verlaufen soll und welche Herzenswünsche sie bezüglich ihres Todes hat. Es ist doch überaus verständlich, dass jeder Mensch andere Vorstellungen davon hat, wie ein für ihn angemessenes Abschied nehmen von seinem gewohnten Umfeld erfolgen könnte. Ich persönlich finde, dass im Film sehr klar dargestellt wird wie überfordert und sich in ihrer Ehre gekränkt manche Ärzte fühlen.
Außerdem wird sehr deutlich, dass eine angemessene Schmerztherapie sowie die Sicherstellung einer häuslichen Versorgung oftmals Probleme mit sich bringen können. Sehr anschaulich zeigt der Film, wie wichtig die Rolle der Familie und deren Zusammenhalt sind und wie durch meist nur wenige Gespräche, viele Missverständnisse beseitigt und auch verstanden werden können.

Für unsere Arbeit schließe ich aus dem Film:

Dass es von besonderer Wichtigkeit ist, sich auf den einzelnen Patienten einzulassen! Nicht die Patienten müssen sich uns anpassen, vielmehr müssen wir uns ihnen und ihrem Umfeld und ihren Gewohnheiten anpassen. Ist ein Patient verärgert oder zornig, ist selten die Pflegekraft die Ursache des Grolls, vielmehr sind die Gesamtsituation, die schier ausweglose Lage und das ausgeliefert sein die Gründe, die den uns Anvertrauten wütend und unzufrieden werden lassen.
Nach Möglichkeit sollte man die uns Anvertrauten selbst entscheiden lassen, was und wie sie etwas möchten, denn meist wissen sie selbst am besten, was gut für sie ist.
Viele Gespräche und die Berücksichtigung ihrer Biografie bringen oftmals Erklärungen für Verhaltensweisen und versteckte, oftmals nur kleine Wünsche zum Vorschein.
Ich bleibe der Auffassung, und fühle mich durch diesen Film darin bestätigt, von Sterbenden Menschen lernt man das Meiste über das Leben, wenn man ihnen nur zuhört, sich versucht in ihre Lage einzufühlen und sie so akzeptiert wie sie sind.

Gerne stelle ich die DVD zur Verfügung.