Menü

Sekretmanagement bei tracheotomierten Betroffenen

trachealkanüle sekretmanagement

Für alle Pflegenden und Therapeuten sind in diesem Text ein paar wichtige Grundlagen für einen sicheren Umgang mit tracheotomierten Patienten aufgeführt. Für eine optimale Pflege tracheotomierter Patienten sind umfassende Fortbildungen und fundiertes Wissen über Atmung und Schlucken unbedingt notwendig. Die folgenden Tipps sollen dementsprechend nur einen Überblick über die wichtigsten Grundsätze geben und sind an das Buch: „Die Therapie des Facio-Oralen Trakts (F.O.T.T. nach Kay Combes)“ von Ricki Nusser-Müller-Busch angelehnt.

1. Was gibt es bei der Behandlungsposition zu beachten?

Entblocken und Absaugen sind Routinearbeiten bei der Pflege intensiv betreuter Patienten, sollten aber dennoch sorgfältig und Schritt für Schritt bewältigt werden.
Voraussetzung für eine effektive Reinigung der Atemwege ist die richtige Behandlungsposition. Aspirationsgefährdete Patienten sollten niemals in flacher Rückenlage entblockt und abgesaugt werden. Versuchen Sie, den Patienten in der Seitenlage, im Sitz oder im Stand zu entblocken und abzusaugen, damit Sekrete nicht in die tieferliegenden Atemwege gelangen.

Beachten Sie dabei:
In Seitenlage sollte der sich ansammelnde Speichel aus dem Mund heraus laufen können.
Im Sitz muss der Oberkörper leicht nach vorn geneigt sein, das Kinn zeigt in Richtung Brust.
Die Behandlung im Stand erfordert die Unterstützung von oberem Rumpf und Halswirbelsäule, das Kinn neigt sich in Richtung Brust. So können Atmung und Abhusten bekräftigt werden. Hilfsmittel, beispielsweise ein Stehrahmen, sind dafür meist erforderlich.

2. Worauf muss ich bei der Reinigung des Atem-Schluck-Trakts achten?

Sammeln sich Sekrete oberhalb der geblockten Kanüle an, kann dies zur Vermehrung von Keimen führen. Aus diesem Grund sollten Mund-, Nasen- und Rachenraum vor dem Entblocken gründlich gereinigt werden. Andernfalls könnten Keime in tieferliegende Atemwege gelangen und unter Umständen Lungenentzündungen verursachen.

Denken Sie zunächst daran, ausreichend Material und Geräte bereitzustellen. Säubern Sie dann den Mund mit angefeuchteter Gaze, entfernen Sie Belege von der Zunge und putzen Sie gegebenenfalls die Zähne. Auch Speichel, der sich in den Wangentaschen ansammelt, sollte entfernt werden, um ein Absteigen der Keime zu verhindern.

Einige Trachealkanülen bieten die Möglichkeit, das Sekret oberhalb der Blockung abzusaugen. Generell sollten Sie die Innenkanüle, wenn vorhanden, herausnehmen und säubern oder bei einem großen Stoma übertretendes Sekret am Rand des Stomas absaugen, bevor Sie mit der Entblockung und dem Absaugen beginnen.

3. Entblocken, Absaugen, den Atemrhythmus beachten – und das alles auf einmal?

In der Pflege kann es hektisch zugehen, häufig hat man nicht viel Zeit für einen Patienten, dennoch ist es sehr wichtig, Patienten sorgfältig in der Trachealkanüle und der Trachea abzusaugen. Denn sich dort ansammelndes Sekret behindert die Atmung des Patienten.

Ein Absaugen im Team mit Pflegefachkraft und Therapeut (z. B. Logopädie) ist zu empfehlen, in der ambulanten Pflege leider nicht immer realisierbar. Sollten sich dennoch die Gelegenheit bieten, sprechen Sie sich gründlich ab, denn eine gute Koordination ist essentiell.

Zu Beginn sollten Sie versuchen, den Patienten zum Husten anzuregen, damit er selbstständig Sekret nach oben befördert. Schafft er es nicht, eigenständig abzuhusten, wird anschließend das Sekret mit einem Absaugkatheter abgesaugt. Während der Atemrhythmus beachtet und die Ausatmung unterstützt wird, erfolgt das Absaugen und zwar NUR in der Ausatmenphase.

Absaugen sollten Sie nur innerhalb der Trachealkanüle oder kurz darunter, da eine Reizung der Luftröhre auf diese Weise vermieden werden kann und der Patient nicht husten muss. Messen Sie also zuvor die Länge der Kanüle an einem Modell und versuchen Sie diese Länge auf den Katheter zu übertragen, sodass dieser nicht an die Luftröhreninnenwand stößt.

Anschließend wird die Trachealkanüle entblockt und sofort wird abgesaugt, um angestautes Sekret aufzufangen.
Das waren nun ein paar praktische Tipps, die beim Umgang mit tracheotomierten Patienten helfen sollen. Weitere Anregungen und Fragen können wieder gern bei Facebook gepostet werden!

Dies war ein Gastbeitrag der Patholinguistin Kirstin Neumann.
Bildquelle: Schädel-Hirnpatienten in Not e.V.