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Tracheostoma, Trachealkanüle & Blockung – Was hat das alles zu bedeuten?

Trachealkanuele blockbar

Die Pflege und Versorgung beatmungspflichtiger Patienten ist eine verantwortungsvolle Aufgabe – nichts Geringeres als das Leben des Patienten hängt davon ab. Neben der richtigen Handhabung der Beatmungsgeräte spielen viele weitere Faktoren eine wichtige Rolle.
 Der folgende Text liefert einen kurzen Überblick über die Situation tracheotomierter Patienten – hilfreich für Angehörige und Pflegekräfte in der Intensivpflege. Die Inhalte orientieren sich an dem Buch: „Die Therapie des Facio-Oralen Trakts (F.O.T.T. nach Kay Combes)“ von Ricki Nusser-Müller-Busch.

Hier finden Sie zusätzlich einen Beitrag zum Sekretmanagement bei tracheotomierten Betroffenen.

Schnelleinstieg:

Was ist ein Tracheostoma?

Ein Tracheostoma ist eine operativ angelegte Öffnung der Luftröhre nach außen. Mittels der Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) wird der Zugang durch die Halsweilchteile hergestellt. Man legt ein Tracheostoma in den folgenden Fällen an:

  • Verengungen des Halses
  • Beidseitiger Stimmlippenlähmung
  • Einigen Lungenerkrankungen
  • Schweren Schluckstörungen
  • Intoleranz einer nichtinvasiven Beatmung
  • Ineffiktivität eines nichtinvasiven Sekretmanagements
  • Langzeitbeatmung

Je nach Ausmaß der Störung erhält der Patient vorübergehend oder dauerhaft eine Trachealkanüle, die die Atemluft direkt in die Luftröhre leitet.

Die Trachealkanüle

Eine Trachealkanüle ist ein Kunststoffschlauch, die in einen Luftröhrenschnitt eingesetzt wird. Die Trachealkanüle dient der Beatmung des so tracheotomierten Patienten. Es gibt verschiedenste Trachealkanülen von zahlreichen Herstellern. Unterschieden werden sie zum Beispiel hinsichtlich des Materials. Es werden vor allem Kanülen aus PVC, Silikon oder Polyurethan verwendet. Silber- oder Plastikkanülen werden bei HNO-Patienten genutzt, aber nicht bei Patienten mit Beatmung. Auch gibt es die so genannte Tracheoflex, eine flexible Trachealkanüle, die vorwiegend in der stationären Behandlung eingesetzt wird. Aufgrund einer fehlenden Innenkanüle ist sie jedoch in der außerklinischen Beatmung und im Weaning ungeeignet.
Nicht nur das Material ist entscheidend, auch Parameter wie Länge, Krümmungsradius, Innen- oder Außendurchmesser sowie mit oder ohne subglottische Absaugung können für die Versorgung und das Wohlbefinden des Patienten entscheidend sein.
In den folgenden Abschnitten wird auf die Unterschiede hinsichtlich der Blockbarkeit der Kanülen eingegangen und auf die Einschränkungen, die ein Patient mit Trachealkanüle und Tracheostoma erlebt.

Mit oder ohne Blockung?

Blockbare Trachealkanülen (Bild oben) werden eingesetzt, wenn ein vollständiger Abschluss der Luftröhre notwendig ist. Dies ist meist bei Patienten mit Langzeitbeatmung (z.B. BiPAP-Beatmung und CPAP-Beatmung) der Fall, aber auch bei Schluckstörungen. Ein sogenannter Cuff, der mit Luft gefüllt wird, ermöglicht den Abschluss der Trachea und gleicht außerdem Druckschwankungen in der Luftröhre aus, damit diese nicht verletzt wird. Bei geblockter Kanüle kann also keine Atemluft in die oberen Atemwege – also in den Mund- und Rachenraum – gelangen. Der Vorteil: Sekrete können nicht in die tieferen Atemwege gelangen. Sie müssen allerdings abgesaugt werden.

Nichtblockbare Trachealkanülen stellen eine Verbindung zwischen der Luftröhre und der äußeren Haut her. Sie wird vor allem bei Patienten mit Larynx- oder neuromuskulären Erkrankungen eingesetzt. Junge Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen schätzen diese cuff-losen Kanülen, da die verbale Kommunikation erhalten bleibt, jedoch muss bei einem möglichen Beatmungsgerät auf undichte Stellen geachtet werden.

Zusätzlich gefensterte bzw. gesiebte Kanülen ermöglichen das Einatmen über die Trachealkanüle und das Ausatmen über den Kehlkopf. Auf diese Weise kann mit einem Sprechventil problemlos Stimme erzeugt werden. Ein Sprechventil kann auch bei ungefensterter bzw. ungesiebter Kanüle genutzt werden, jedoch muss darauf geachtet werden, dass bei einer blockbaren Kanüle der Cuff entblockt wird, damit die Ausatemluft neben der Kanüle entweichen kann.

Was bedeutet die Trachealkanüle und ein Tracheostoma für Betroffene?

Eine Trachealkanüle sichert die Atmung des Patienten und ist dementsprechend eine lebenserhaltende Maßnahme. Allerdings entstehen auch viele Veränderungen, die zu Beeinträchtigungen führen können und vor allem für die Umsorgenden zu beachten sind.

Da die Atemluft bei Patienten mit Tracheostoma und geblockter Kanüle nicht mehr durch Mund und Nase gelangt, sind der Geruchs- und Geschmackssinn erheblich beeinträchtigt. Nicht nur das behindert die üblichen Ernährungsgewohnheiten, auch das Schlucken und die Koordination von Atmen und Schlucken wird durch die Trachealkanüle im Hals erschwert. Der Kehlkopf kann sich mit der schweren Kanüle einfach nicht mehr so gut heben. Viele Untersuchungen zeigen eine verringerte Schluckfrequenz gegenüber gesunden Probanden. 
Die Behinderung des Schluckakts wiederum bedingt ein vermehrtes Austreten von Speichel aus der Kanüle oder dem Mund. Der Speichel muss abgesaugt werden, damit er nicht in die tieferliegenden Atemwege gelangt und damit er die Kanüle nicht verstopft.

Ein Tracheostoma ist Gewöhnungssache

Aufgrund der ständigen Reizung durch Speichel und Trachealkanüle verringert sich auch die Sensibilität im Rachen, weshalb Schutz- und Reinigungsmechanismen der Atemwege, also Husten, Räuspern und Niesen, häufig nicht mehr effizient genutzt werden können. 
Folglich kann es mit einem Tracheostoma zu Aspirationen (“sich verschlucken”) kommen – Speichel, Flüssigkeiten oder Nahrung geraten unterhalb der Stimmlippen in die tieferliegenden Atemwege bis in die Lunge. Dort können sich Keime ungehindert vermehren und Lungenentzündungen folgen. 
Häufig hat die Trachealkanüle auch Auswirkungen auf die Haltung und Bewegung des Patienten. Die Betroffenen nehmen eine Schonhaltung ein, um sich vor mechanischen Reizen zu schützen. 
Es entwickelt sich ein Teufelskreis.

Reisen mit Beatmung

Doch eine Trachealkanüle muss nicht unbedingt zu diesem Teufelskreis führen: Dass das Leben beatmeter Menschen nicht von Verzicht geprägt sein muss, zeigen zahlreiche Betroffene, die mit Beatmungsgerät auf Reisen gehen. Passend dazu hat Mirco Mengel auf dem Kongress für Außerklinische Intensivpflege (KAI) 2013 eine interessante Präsentation zum Thema Reisen mit Beatmung gehalten, die Sie sich hier ansehen können:

Weitere Informationen können Sie auch unserem Blogbeitrag zum Thema Reisen mit Beatmung entnehmen.

Das waren nun die ersten Grundlagen zum Thema Tracheostoma, Trachealkanüle und der Situation tracheotomierter Patienten. Weitere Anregungen und Fragen können gerne bei Facebook gepostet werden!

Dies war ein Gastbeitrag der Patholinguistin Kirstin Neumann.
Das Bild stammt von Klaus D. Peter veröffentlicht auf Wikipedia