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Zusätzliche Betreuungsleistungen

zusaetzliche betreuungsleistungen

Was sind zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen?

Zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen sind eine finanzielle Hilfe seitens der Pflegekasse, welche sich an alle Pflegebedürftigen richtet und die zusätzlich zu den herkömmlichen Leistungen gezahlt wird. Diese unter § 45b SGB XI festgelegte Hilfe dient dazu, konkrete Aufwendungen, die Pflegebedürftigen bzw. Angehörigen im Zusammenhang mit gewissen Aktivitäten bzw. Leistungen entstehen, zu decken. Welche Aktivitäten bzw. Leistungen das sind, wird im Nachfolgenden behandelt.

Wer kann zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen beziehen?

Bis Ende 2014 erhielten nur Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Seit Beginn 2015 können jedoch auch Menschen ohne erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz Leistungen beziehen.

Was bedeutet eingeschränkte Alltagskompetenz?

Die Kriterien für die sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz sind im Gesetz festgelegt. Sie sind beispielsweise erfüllt, wenn der oder die Pflegebedürftige die Tendenz dazu aufweist, wegzulaufen, wenn sie gefährliche Situationen verursacht, die eigene Versorgung nicht mehr gewährleisten kann, eine Störung des Tag-Nacht-Rhythmus’ aufweist oder aggressives Verhalten zeigt. Diese Bedingungen für eine entsprechende Einstufung treffen vor allem auf demenzkranke Personen zu. Aber auch bei psychischen Erkrankungen oder einer geistigen Behinderung können diese Kriterien greifen.

Wie viel Geld steht mir zu?

Der Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen und Entlastungsleistungen liegt derzeit bei 104 € monatlich beziehungsweise bei 208 € monatlich, wenn (beispielsweise bei Demenz) eine erhöhte Summe festgelegt wird. Wird die Leistung in einem Kalenderjahr nicht ausgeschöpft, kann der nicht verbrauchte Betrag in das folgende Kalenderhalbjahr übertragen werden. Mit dem PSG II ändert sich der Betrag. Ab 2017 werden jedem Patienten, unabhängig vom Pflegegrad, 125€ pro Monat zur Verfügung gestellt.

Wer seinen Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen seitens der Pflegekasse zudem nicht voll ausschöpft, kann den Betrag, der nicht für den Bezug von ambulanten Sachleistungen genutzt wurde, bis maximal 40 Prozent für die sogenannten niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote verwenden.

Die monatliche Summe wird nicht an die pflegebedürftige Person oder ihre Angehörigen ausgezahlt, sondern kann verwendet werden für Dienstleistungen, die für die Pflege vonnöten sind.

Wie hängen die Leistungen mit der Pflegestufe zusammen?

Im Zusammenhang mit den zusätzlichen Betreuungsleistungen und Entlastungsleistungen spielt die Pflegestufe nur eine untergeordnete Rolle. Denn diese ist nicht ausschlaggebend, um den Betrag zu erhalten. Dennoch muss die Pflegebedürftigkeit der Person natürlich festgestellt werden. Menschen, die keine Voraussetzungen für eine Pflegestufe erfüllen, aber dennoch eine eingeschränkte Alltagskompetenz aufweisen, werden in die sogenannte Pflegestufe 0 eingestuft. Ab voraussichtlich 2017, mit Einführung der neuen Pflegegrade, kann für Personen, die bisher in die Pflegestufe 0 eingeordnet wurden, mit Verbesserungen in der Pflege gerechnet werden.

Welche Leistungen können abgerechnet werden?

Bei den zusätzlichen Betreuungsleistungen und Entlastungsleistungen handelt es sich um eine Pflegesachleistung. Damit ist es möglich, den Betrag für die Betreuung der Nacht- und Tagespflege, die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege aufzuwenden. Das heißt, dass diese Dienste in einem höheren Maße in Anspruch genommen werden können. Damit werden Angehörige etwa länger entlastet. Die Leistung erstreckt sich im Allgemeinen auch auf zugelassene Pflegedienste, die ein besonderes Angebot aufweisen, das über die Grundpflege hinausgeht. Hierbei geht es vor allem um die Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung der pflegebedürftigen Person sowie um tagesstrukturierende Maßnahmen.
 

Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote

Darüber hinaus sind folgende niedrigschwellige Betreuungsangebote mit der Pflegeversicherung abrechenbar:

    • Bewältigung von allgemeinen oder pflegebedingten Anforderungen des Alltags
      z.B. unterstützende Anleitung für pflegende Angehörige / Nahestehende, Betreuung der Korrespondenz mit Behörden
    • Organisation von individuell benötigten Hilfeleistungen
      z.B. Organisation eines Hausnotrufgeräts, Hilfsmittelbesorgung
    • Entlastung von pflegenden Angehörigen oder vergleichbar nahestehenden Pflegenden
      z.B. Begleitung außerhalb des Hauses, Hilfestellung bei pflegebedingten Umbaumaßnahmen der Wohnung
    • Unterstützung im Haushalt
      z.B. Haushalt reinigen, Zimmerpflanzen bewässern, Versorgung von Haustieren, die eigene Versorgung usw.
    • Betreuungsleistungen
      z.B. Beaufsichtigung zur Entlastung von pflegenden Angehörigen, Anregung und Unterstützung bei sozialen Kontakten

Wie kann ich diesen Betrag erhalten?

Um die Leistungen dieser Art zu erhalten, muss ein Antrag bei der Pflegeversicherung gestellt werden. Entweder ist die betroffene Person bereits einer Pflegestufe zugehörig oder die Pflegebedürftigkeit und damit einhergehend auch der Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen wird neu festgestellt. Die Feststellung der Pflegestufe erfolgt bei einem Hausbesuch durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Weitere Informationen zum Thema Pflegebedürftigkeit finden Sie in unserem Ratgeber Alles über Pflegestufe 0, 1, 2 & 3.

Bei der Begutachtung durch den MDK wird mittels eines Fragenkataloges geklärt, ob eine eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt. Dabei spielen mehrere Kriterien eine Rolle, die darauf schließen lassen, dass es für die betroffene Person schwierig ist, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Auf den Besuch des MDK sollte man sich ausführlich vorbereiten. Alle nötigen Informationen rund um die Begutachtung können Sie bei Ihrem Pflegedienst, bei Ihrer Krankenkasse und bei unabhängigen Pflegeberatungen erfragen.

Video des BMG zu Betreuungs- und Entlastungsleistungen