Heim oder Ambulanz? Interview mit Pflegekraft Frank Zepernick

Frank Zepernick ist seit einem Jahr ambulante Pflegekraft bei der Jedermann Gruppe. Wir haben mit ihm über seine Berufswahl und über seine Erfahrungen in der Pflege gesprochen.

Aus welchem Grund bist du Pfleger geworden?

Ich war vorher in einer ganz anderen Branche. Ich war jahrelang in der Industrie beschäftigt und war unzufrieden damit, weil es mir persönlich nichts gebracht hat.
Ein Teil meiner Verwandtschaft ist im Pflegebereich tätig. Die sind immer so begeistert von ihrer Arbeit gewesen – der Umgang mit den Menschen, dass man auch was zurück bekommt. Den Sinn, den dieser Beruf macht.

Ich hatte dann mal einen Schnuppertag im Heim und fand das ganz gut. Dann habe ich eine Schulung zum Pflegehelfer gemacht. Und anschließend hab ich angefangen, im Heim zu arbeiten. Das hat mir wirklich Spaß gemacht mit den Leuten. Ich habe gemerkt, dass das das was ist, was ich länger machen will. Das ist wirklich meine Sache, der Pflegeberuf.

Und die Entscheidung hast du nicht bereut?

Mir gefällt es immer noch. Es macht richtig viel Freude. Muss ich ganz ehrlich sagen. Vor allem in der Ambulanz.

Du hast relativ schnell vom Heim in die Ambulanz gewechselt. Warum?

Im Heim war es irgendwann so, dass ich mit der Situation nicht mehr zurecht kam. Die Pflegekräfte an sich, die waren alle in Ordnung, aber niemand hatte Zeit für die Leute. Also keiner, nicht mal die Betreuungskräfte. Und das fand ich schlimm.

Es hat sich mehr angefühlt wie eine Abfertigung der Patienten. In der Ambulanz steht man auch unter Zeitdruck, aber im Heim ist das doch ne ganz andere Nummer.

Und dann hat eine Kollegin von mir bei der Jedermann Gruppe in der Ambulanz angefangen. Darüber haben wir uns ausgetauscht, und ich hab dann einen Schnuppertag gemacht. Ich bin mit einem Kollegen mitgefahren und hab eine Tour mitgemacht. Und das war genau das, was ich wollte.

Was ist deine Ansicht zu Heimpflege und Ambulanter Pflege?

Dadurch, dass die Leute in der Ambulanz noch in ihrem persönlichen Umfeld sind, ist das eine ganz andere Art und Weise, mit ihnen zu arbeiten. Man ist Gast in ihrer Wohnung. Im Heim ist das ganz anders. Klar, im Heim gibt es viele, die nicht mehr zuhause betreut werden können. Aber es ist persönlicher, menschlicher und privater in der eigenen Häuslichkeit. Und das ist nicht nur für mich besser, sondern vor allem auch für die Menschen, die ich pflege.

Gibt es ein Beispiel für ein schönes Erlebnis?

Das Beispiel habe ich eigentlich jeden Tag. Wenn man kommt, freuen die Leute sich wirklich, dass man da ist. Ich nehme mir auch gerne ein bisschen mehr Zeit für die, die alleine wohnen. Da erzählt man dann Kleinigkeiten über den Alltag, über ganz normale Situationen. Das ist dann oft schon ein sehr schönes Erlebnis für meine Patienten. Sie sind dankbar und froh, dass ihnen auch in dieser Weise geholfen wird. Und das ist für mich eine ganz tolle Sache.

Begegnen dir manchmal Schwierigkeiten?

Einige neuen Patienten haben einfach Vorbehalte: Es ist eben doch ein Fremder in der Wohnung, der vielleicht sogar noch einen Schlüssel für die Wohnung hat. Und das ist schon ein sehr privater und intimer Bereich, in den man da dringt. Die Leute fühlen sich am Anfang ein bisschen unwohl. Aber bei den meisten klappt das eigentlich. Da normalisiert sich das relativ schnell.

Wie würdest du den Pflegeberuf beschreiben?

Das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, das ich von meiner Verwandschaft her kenne, habe ich auch. Obwohl ich erst seit einem Jahr bei Jedermann bin, fühle ich mich jetzt auch so. Man fährt zu den Leuten und man wird da auch in gewissem Sinne Mitglied der Familie – vertraute Person. Man sieht sich täglich, manchmal sogar öfter als die Verwandtschaft. Man lernt sich kennen es wird wirklich persönlich in diesem Beruf. Das ist einfach mehr als ein Job.

Vielen Dank für das Gespräch, Frank! Wir wünschen dir weiterhin viel Freude und viel Erfolg in deinem Beruf – und natürlich auch sonst!

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