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Zurück aus Spanien für die Pflegeausbildung

Geschrieben von Johannes Schleicher am 15. März 2021
Kategorie: Ausbildung

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Nicht einmal ein halbes Jahr wohnt Jean-Pierre jetzt in Deutschland, aber sein Deutsch ist tadellos. Keiner würde vermuten, dass der 17-Jährige gebürtiger Spanier ist und Spanisch seine Muttersprache. Jean-Pierres Eltern sind Deutsche und vor 20 Jahren nach Alhaurín de la Torre nahe Málaga ausgewandert. Er selbst ist jetzt wieder nach Deutschland gekommen, aber nicht einfach so, sondern mit Plan: Jean-Pierre will die Ausbildung zum Pflegefachmann bei uns absolvieren.

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Von Alhaurín de la Torre nach Brandenburg

Warum geht man aus dem warmen, sonnigen Andalusien, direkt am Meer gelegen, weg, mag man sich jetzt fragen. Gründe gibt es allerdings viele, zumindest für Jean-Pierre. Einerseits ist da die Pflegeausbildung. In Spanien ist der Arbeitsmarkt nicht wirklich rosig aufgestellt, gerade die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei unglaublichen 39,9%. Pflegekräfte werden wesentlich schlechter bezahlt als in Deutschland. 

Außerdem ist da eben noch Deutschland. Einerseits hat Jean-Pierre hier natürlich familiäre Bande. Andererseits – und das kommt uns Deutschen zwar seltsam vor, ist für Spanier aber wahrscheinlich die Exotik pur – mag er einfach auch die Kälte. 

Wären diese Fragen schon einmal geklärt. Aber warum die Pflegeausbildung, warum die Berufung zur Pflege? Den Anstoß hat Jean-Pierre wohl durch seine Oma erhalten. Sie lag lange im Krankenhaus und ist dort auch verstorben. Dort sind Jean-Pierre jedoch die Pflegekräfte aufgefallen und er hat bemerkt, dass es eine wirklich schöne, dankbare Arbeit ist, die die Pflege ausmacht.

Aus all diesen Gründen hat Jean-Pierre den Sprung nach Deutschland gewagt: Ziemlich mutig für einen 17-Jährigen, in ein zumindest halb fremdes Land zu ziehen, um dort eine Ausbildung zu beginnen.

Jean-Pierres Ausbildung

Bereut hat er es bis jetzt allerdings nicht. Sicher ist es zu anfangs schwer, so weit von der Familie entfernt zu sein, alleine zu wohnen, dabei noch die Ausbildung zu absolvieren. Aber dafür wird Jean-Pierre auch entschädigt.

"Ich bin wirklich verliebt in diese Ausbildung."

Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass Jean-Pierre ein Menschenfreund ist. Er pflegt die Menschen genau so, wie er selbst gerne gepflegt werden würde, und so geht er auch mit ihnen um. Das ist ein wirklich empathischer Zugang, der dem 17-Jährigen auch den Einstieg in die Pflege erleichtert hat: Er ist ganz offen, ohne Angst und falsche Scham an seine Aufgaben herangegangen, was ihm die Patienten natürlich auch danken.

Wegen Covid steht die Praxis früher an als sonst (die Schulen sind geschlossen), weshalb Jean-Pierre schon sehr früh intensive Praxiserfahrungen sammeln kann. Seit 2 Monaten ist er in einer unserer WGs für Menschen mit Demenz.

Kulturschock Frühschicht

So leicht ihm der Kontakt zu seinen Patienten fällt, so ungewohnt war es am Anfang mit dem Aufstehen. In Spanien wird aufgestanden, wenn Deutsche schon auf dem Weg zur Arbeit sind. Aber glücklicherweise gewöhnt man sich an fast alles, zumal in diesem Alter, weshalb er das frühe Aufstehen mittlerweile auch nicht mehr so schlimm findet. 

Wie läuft es mit der Ausbildung?

So gut sein Deutsch ist, so gibt es trotzdem manchmal Verständnisprobleme, vor allem, wenn Fachbegriffe ins Spiel kommen. Dafür hat Jean-Pierre jedoch unseren Ausbildungskoordinator Sven Detka, der ihm bei Fragen zur Seite steht und auch sonst hilft, wo er kann: Fachlich, aber auch persönlich. Denn natürlich gibt es in der Pflegeausbildung manchmal auch Erlebnisse, die verarbeitet werden müssen. 

Allerdings kann Jean-Pierre sich da auch auf das Team in der WG verlassen, das voll hinter ihm steht. Den Teamgeist empfindet Jean-Pierre als etwas sehr wertvolles; und natürlich kann man sich seinen Aufgaben auch viel eher widmen, wenn man weiß, dass das Team geschlossen hinter einem steht und hilft, wenn Hilfe vonnöten ist. 

Wo geht es hin für Jean-Pierre?

"Menschen helfen", das steht für Jean-Pierre an erster Stelle. In welchem Pflegebereich, das findet er nicht so wichtig. Es wird schließlich immer Pflege sein, es wird immer um Menschen gehen, die seine Hilfe benötigen, und das ist es, was für den 17-Jährigen zählt. 

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