Verhinderungspflege – Alle Infos auf einen Blick

Durch die Verhinderungspflege sollen pflegende Angehörige entlastet werden, wenn sie die Pflege, mit der sie sonst betraut sind, aus einem bestimmten Grund nicht ausführen können oder eine Auszeit nehmen. Hier finden Sie sämtliche Infos zur Verhinderungspflege.

Inhalt:

Verhinderungspflege ist die Vertretung einer privaten Pflegeperson in der häuslichen Pflege, wenn diese die pflegebedürftige Person übergangsweise nicht betreuen kann. In diesem Fall kann die Pflege von einem professionellen Pflegedienst oder einer anderen Privatperson ausgeführt werden.

Die Verhinderungspflege (häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson, § 39 SGB XI) wird für maximal 42 Tage – also sechs Wochen – im Jahr mit bis zu 1.612 Euro von der Pflegeversicherung finanziert.

Die wichtigsten Infos

  • Kosten bis zu 1.612 Euro werden von der Pflegekasse übernommen
  • Die Verhinderungspflege kann 42 Tage pro Jahr beansprucht werden
  • Man kann die Kosten rückwirkend erstattet bekommen
  • Man benötigt mind. Pflegegrad 2, um Anspruch auf Verhinderungspflege zu haben

Wer kann Verhinderungspflege in Anspruch nehmen?

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Die Verhinderungspflege kann man erhalten, wenn man:

  • zuvor seit min. 6 Monate von einer Privatperson (Angehöriger oder Bekannter) gepflegt wird und
  • man Pflegegeld bezieht, also mindestens Pflegegrad 2 hat und von einer privaten Person gepflegt wird.

Wer kann die Verhinderungspflege übernehmen?

Grundsätzlich kann jeder die Grundpflege, um die es in der Verhinderungspflege geht, übernehmen. Sollten Sie oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger sich für eine Privatperson entscheiden, sollten Sie jedoch darauf achten, dass die Person Ihrer Wahl sich auch tatsächlich für die Pflege eignet.

Hinsichtlich der Unterstützung durch die Pflegekasse macht es jedoch einen Unterschied, wer Ihren Angehörigen pflegt:

  • Erfolgt die Vertretung durch einen ambulanten Pflegedienst oder durch eine Person, die nicht bis zum zweiten Grad mit dem pflegebedürftigen Menschen verwandt oder verschwägert ist, beläuft sich die Unterstützung auf maximal 1.612 Euro.
  • Vertritt Sie eine Person, die bis zum zweiten Grade mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert ist oder mit ihm zusammenlebt, werden Leistungen in Höhe des Pflegegeldes für maximal sechs Wochen erstattet; das entspricht also dem 1,5fachen des monatlichen Pflegegeldsatzes

Achtung!

Führt eine bis zum 2. Grad verwandte oder verschwägerte Person die Verhinderungspflege aus, kann diese auch auf bis zu 1.612 Euro erhöht werden, wenn notwendige Ausgaben getätigt werden müssen und nachgewiesen werden können (Fahrtkosten, Verdienstausfall etc.).

Was passiert mit dem Pflegegeld, wenn Verhinderungspflege in Anspruch genommen wird?

Während der Zeit der Verhinderungspflege bekommt der pflegebedürftige Mensch das Pflegegeld weiterhin zur Hälfte gezahlt.

Allerdings wird das Pflegegeld am ersten und am letzten Tag der Verhinderungspflege voll ausgezahlt. Welcher Anspruch sich daraus ergibt, zeigen wir am konkreten Beispiel:

Rechenbeispiel für Pflegegeld:

Der Angehörige, der die Pflege sonst übernimmt, fährt für 16 Tage in den Urlaub. Vor der Verhinderungspflege wurde Pflegegeld für den Pflegegrad 2 in Höhe von 316 € im Monat gewährt. Für den ersten und letzten Tag wird das volle Pflegegeld bezahlt (2/30 von 316 € = 21,06 €). An den übrigen 14 Tagen wird die Hälfte der Leistungen gezahlt (14/30 von 158 € = 73,73 €). Insgesamt werden also 94,79 € an Pflegegeld während des Zeitraums der Ersatzpflege ausgezahlt.

Stundenweise Verhinderungspflege

Wenn angehörige Pflegepersonen für einen Abend ins Theater oder ins Kino gehen möchten und für diese Zeit nicht für die Pflege der Person, die Sie betreuen, zur Verfügung stehen, kann auch eine stundenweise Verhinderungspflege beansprucht werden.

Das Pflegegeld wird während der Verhinderungspflege nicht gekürzt, sofern diese weniger als/genau 8 Stunden in Anspruch nimmt. Wird die Verhinderungspflege länger in Anspruch genommen, wird, wie oben beschrieben, die Hälfte des Pflegegelds weitergezahlt.

Verhinderungspflege & Kurzzeitpflege kombinieren!

Kurzzeitpflege ist das stationäre Pendant zur Verhinderungspflege: Fällt eine private Pflegeperson kurzzeitig aus, finanziert die Pflegeversicherung bis zu 1.612 € für maximal 56 Tage im Jahr einen stationären Aufenthalt.

Wenn die Kurzzeitpflege jedoch nicht in Anspruch genommen wird, kann die Hälfte des Geldes für die Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege gerechnet werden. So stehen im Jahr 806 Euro mehr zur Verfügung stehen, also insgesamt 2.418 Euro, die für die Verhinderungspflege aufgewandt werden können.

Umgekehrt ist das auch möglich, bloß dass dann die vollen Beträge der Verhinderungspflege, also 1.612 Euro, überwidmet werden können und die Kurzzeitpflege bis zu 8 Wochen pro Jahr in Anspruch genommen werden kann.

Wie beantrage ich Verhinderungspflege?

Um die Verhinderungspflege zu beantragen, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden.

Pflegegrade beantragen

Dieser Antrag ist bei der Pflegekasse erhältlich.

Achtung!

Die Verhinderungspflege kann auch rückwirkend beansprucht werden. Sie benötigen also nicht erst einen Antrag, bevor Sie die Leistungen der Verhinderungspflege in Anspruch nehmen können.

Die Ansprüche, die man auf das Geld der Verhinderungspflege hat, verfallen allerdings mit dem Ende des Kalenderjahres.

Häufige Fragen zur Verhinderungspflege

Wer erhält das Geld für die Verhinderungspflege?

Pflegt eine Privatperson die pflegebedürftige Person in der Verhinderungspflege, so werden die Leistungen der Pflegeversicherung, wie auch beim Pflegegeld schon, an die pflegebedürftige Person überwiesen. Dennoch sind die Leistungen prinzipiell dazu gedacht, die Pflegeperson für ihren Aufwand zu entschädigen und werden deshalb in der Regel an diese Person weitergegeben.

Wird die Verhinderungspflege von einem Pflegedienst oder einer professionellen Pflegeperson übernommen, erhalten letztere in der Regel das Geld direkt von der Pflegekasse.

Wie lange kann man die Verhinderungspflege rückwirkend beantragen?

Die Ansprüche, die man auf das Geld der Verhinderungspflege hat, verfallen mit dem Ende des Kalenderjahres. Das heißt, dass man bis zum 31.12. eines Jahres Gelegenheit hat, die Verhinderungspflege rückwirkend zu beantragen. Mit dem neuen Kalenderjahr steht dann wieder die volle Summe für das aktuelle Jahr zur Verfügung.

Wird das Pflegegeld gekürzt?

Ob das Pflegegeld während der Verhinderungspflege gekürzt wird, hängt von der Dauer derselben ab. Das Pflegegeld wird nicht gekürzt, sofern nur eine stundenweise Verhinderungspflege beansprucht wird. Stundenweise heißt hier genau, dass die Verhinderungspflege nicht länger als 8 Stunden in Anspruch genommen wird. Benötigt die pflegebedürftige Person allerdings eine längere Pflege, wird das Pflegegeld während dieser Zeit um die Hälfte gekürzt.
Ausgenommen sind hierbei der erste und der letzte Tag, an dem die Verhinderungspflege in Anspruch genommen wird. An diesen Tagen wird das volle Pflegegeld ausbezahlt.

Werden die Pflegesachleistungen gekürzt?

Die Pflegesachleistungen, die die pflegebedürftige Person gegebenenfalls parallel zum Pflegegeld erhält, bleiben unberührt, wenn die private Pflegeperson durch Verhinderungspflege vertreten wird.

Welche Leistungen werden von der Verhinderungspflege übernommen?

Mit den Leistungen der Verhinderungspflege können sowohl die Grundpflege als auch die hauswirtschaftlichen Leistungen verwendet werden. Die Behandlungspflege allerdings ist ärztlich verordnet und muss von einem professionellen Pflegedienst durchgeführt werden. Die Behandlungspflege wird von den Krankenkassen getragen.

Welche Pflegeform kann durch die Verhinderungspflege unterstützt werden?

Verhinderungspflege kann nur beantragt werden, wenn die pflegebedürftige Person Pflegegeld erhält. Der Erhalt von Pflegegeld ist wiederum gleichbedeutend damit, dass der oder die Pflegebedürftige durch eine Privatperson gepflegt wird, sei dies ein naher Angehöriger oder ein Bekannter. Mit dem Pflegegrad 1 bekommt man noch kein Pflegegeld und hat in gleichem Maße auch keinen Anspruch auf Verhinderungspflege.

Damit man Verhinderungspflege beantragen kann, ist es allerdings nötig, dass die Privatperson sich bereits mindestens 6 Monate lang um die Pflege der pflegebedürftigen Person kümmert.

Ich bin ein naher Verwandter der pflegebedürftigen Person. Wieviel Geld steht für die Verhinderungspflege zur Verfügung?

Wird die Verhinderungspflege von einer Person übernommen die bis zum 2. Grad mit der pflegebedürftigen Person verwandt oder verschwägert ist, wird das Pflegegeld weiter gezahlt. Das bedeutet für die Dauer von maximal 6 Wochen Verhinderungspflege die Zahlung von maximal der 1,5fachen Summe des monatlichen Pflegegelds.

Sind Sie ein Verwandter, der aber nicht mit der pflegebedürftigen Person verwandt oder verschwägert ist, wird das Geld der Verhinderungspflege in Höhe von maximal 1.612 Euro gezahlt.

Mehr Informationen zu den einzelnen Pflegegraden finden Sie hier

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