Alles über Verhinderungspflege

Durch die Verhinderungspflege sollen pflegende Angehörige durch einen Pflegedienst entlastet werden, wenn sie die Pflege, mit der sie sonst betraut sind, aus einem bestimmten Grund nicht ausführen können. Hier finden Sie sämtliche Infos zur Verhinderungspflege.

Inhalt:

Was ist Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege (häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson, § 39 SGB XI) ist die Vertretung einer privaten Pflegeperson in der häuslichen Pflege, wenn diese vorübergehend ausfällt. Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten der Ersatzpflege. Sie kann für maximal 42 Tage, also sechs Wochen, im Jahr in Anspruch genommen werden.

Bevor diese Art der Pflege beantragt wird, muss die Pflegekraft die pflegebedürftige Person mindestens sechs Monate lang in ihrer häuslichen Umgebung versorgt haben. Die Verhinderungspflege kann von einer erwerbsmäßig tätigen Pflegeperson übernommen werden, die mit dem Pflegebedürftigen nicht bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert ist. Auch Nachbarn oder Bekannte können die Aufgabe übernehmen.

Mit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz, das Anfang 2013 in Kraft getreten ist, dürfen auch Menschen mit der bis Ende 2016 gültigen Pflegestufe 0 – seit Beginn 2017 dem Pflegegrad 2 – die Verhinderungspflege beanspruchen.

Wer kann Verhinderungspflege in Anspruch nehmen?

Der Bezug der Verhinderungspflege ist abhängig von der Pflegeform, die die pflegebedürftige Person erhält, sowie vom Pflegegrad, den diese Person zugeteilt bekommen hat.

Welche Pflegeform kann durch die Verhinderungspflege unterstützt werden?

Wie weiter oben bereits angedeutet, kann Verhinderungspflege nur beantragt werden, wenn die pflegebedürftige Person Pflegegeld erhält. Der Erhalt von Pflegegeld ist wiederum gleichbedeutend damit, dass der Pflegebedürftige durch eine Privatperson gepflegt wird, sei dies ein naher Angehöriger oder ein Bekannter.

Damit man Verhinderungspflege beantragen kann, ist es allerdings nötig, dass die Privatperson sich bereits mindestens 6 Monate lang um die Pflege der pflegebedürftigen Person kümmert, und dass sie mindestens 10 Stunden pro Woche für die Pflege aufwenden muss.

Zur Info

Die Verhinderungspflege kann nur von einer Privatperson übernommen werden, wenn sie nicht bis zum zweiten Grad mit der Pflegeperson verwandt oder verschwägert ist. Wird die Verhinderungspflege von einer solchen Person übernommen, wird das 1,5fache des Pflegegeldes gezahlt.

Welchen Pflegegrad benötigt man?

Verhinderungspflege kann nur beziehen, wer vom MDK mindestens in den Pflegegrad 2 eingeteilt wurde. Verhinderungspflege kann also von allen Pflegebedürftigen in Anspruch genommen werden, welche vor Beginn 2017 eine Pflegestufe hatten. Das heißt aber, dass Menschen, die unter den neuen Pflegegrad 1 fallen, keinen Anspruch auf Verhinderungspflege haben.

Werden diese Voraussetzungen erfüllt, kann man die Leistungen der Verhinderungspflege erhalten.

Antrag stellen!

Um Leistungen zu erhalten, ist es nötig, einen Antrag auf Verhinderungspflege zu stellen. Dieser Antrag wird bei der entsprechenden Pflegeversicherung oder auch bei der Krankenkasse eingereicht. Es ist jedoch keine Voraussetzung für den Erhalt der Leistung, dass der Antrag im Voraus gestellt wurde, das heißt, auch im Nachhinein kann das Geld noch ausgezahlt werden.

Wie viel Geld steht mir zu?

Die Verhinderungspflege-Leistungen der Pflegeversicherung umfassen maximal 1.612 € im Kalenderjahr. Die Höhe der bewilligten Leistung hängt dabei davon ab, von wem die Pflege übernommen wird. Handelt es sich um einen ambulanten Pflegedienst, eine erwerbstätige Pflegeperson, um entfernte Verwandte oder Nachbarn, kann die Verhinderungspflege bis zu 1.612 € betragen. Die Zeit, in der der pflegende Angehörige vertretenen wird, wird stundenweise abgerechnet.

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Wenn die Verhinderungspflege jedoch von nahen Angehörigen übernommen wird, die nicht im Pflegebereich erwerbstätig sind, wird von den Pflegekassen lediglich der Betrag des Pflegegeldes ausgezahlt. Dieser fällt je nach Pflegerad unterschiedlich aus. Doch auch hier können die Leistungen auf bis zu 1.612 € aufgestockt werden – wenn nachgewiesen wird, dass besondere Aufwendungen der Pflegeperson notwendig sind (z.B. Verdienstausfall oder Fahrtkosten).

Wie hoch ist mein Anspruch als naher Angehöriger?

Die Pflegekasse zahlt die Kosten für die Verhinderungspflege nach Pflegegraden gestaffelt. Ihr Anspruch an die Pflegeversicherung beträgt das 1,5-fache des monatlichen Pflegegeldes, da mit einer Verhinderungspflege von maximal 6 Wochen gerechnet wird (Stand 2017):

Leistungen der Verhinderungspflege

Wie schon zuvor erwähnt, kann auch im Fall, dass ein naher Angehöriger die Verhinderungspflege übernimmt, auf die vollen Leistungen der Ersatzpflege von 1.612 € aufgestockt werden, wenn besondere Kosten anfallen oder Aufwendungen wie Verdienstausfall notwendig sind.

Wenn weiter entfernte Verwandte oder Freunde sowie ein professioneller Pflegedienst die Verhinderungspflege übernimmt, wird pauschal der Maximalbetrag von 1.612 € veranschlagt.

Verhinderungspflege und Pflegegeld

Seit dem Inkrafttreten des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes ist es zudem so, dass während der Zeit der Ersatzpflege das Pflegegeld weiterhin zur Hälfte gezahlt wird. Allerdings wird das Pflegegeld nicht gekürzt, wenn die Verhinderungspflege weniger als/genau 8 Stunden in einem Zeitraum von weniger als/genau 2 Tagen in Anspruch nimmt. Welcher Anspruch sich daraus ergibt, zeigen wir am konkreten Beispiel:

Rechenbeispiel für Pflegegeld:

Der Angehörige, der die Pflege sonst übernimmt, fährt für 16 Tage in den Urlaub. Vor der Verhinderungspflege wurde Pflegegeld für den Pflegegrad 2 in Höhe von 316 € im Monat gewährt. Für den ersten und letzten Tag wird das volle Pflegegeld bezahlt (2/30 von 316 € = 21,06 €). An den übrigen 14 Tagen wird die Hälfte der Leistungen gezahlt (14/30 von 158 € = 73,73 €). Insgesamt werden also 94,79 € an Pflegegeld während des Zeitraums der Ersatzpflege ausgezahlt.

Stundenweise Verhinderungspflege

Manche Pflegeunternehmen bieten Verhinderungspflege stundenweise an. Diese Art der Pflege kann beispielsweise in Anspruch genommen werden, wenn Sie als angehörige Pflegeperson eines pflegebedürftigen Menschen für einen Abend zum Beispiel ins Theater oder Kino gehen möchten und für diese Zeit nicht für die Pflege der Person, die Sie betreuen, aufkommen können. Eine Ersatzpflegekraft übernimmt dann die Unterstützung und wird stundenweise bezahlt. Es wird empfohlen, vorher mit der Pflegekasse abzuklären, wie die die Kosten für die stundenweise Verhinderungspflege am besten abgerechnet werden. Der Betrag von 1.612 € im Jahr darf auch hierbei nicht überschritten werden. Auch hier gilt, dass das Pflegegeld nicht gekürzt wird, sofern die Verhinderungspflege weniger als/genau 8 Stunden in einem Zeitraum von weniger als/genau 2 Tagen in Anspruch nimmt.

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege

Es können 50% der Kurzzeitpflege (diese beträgt ebenfalls 1.612€ pro Jahr) mit der Verhinderungspflege kombiniert werden. Die Bedingung dafür ist allerdings, dass die Leistung auf Kurzzeitpflege im laufenden Kalenderjahr noch nicht beansprucht wurde. Werden beide Beträge – Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege – miteinander kombiniert, kann also von einem jährlich maximal auszuzahlenden Betrag von 2.418 € ausgegangen werden, den man für die Pflege verwenden kann.

Wie beantrage ich die Verhinderungspflege?

Um die Verhinderungspflege zu beantragen, muss ein „Antrag auf Leistungen der Pflegekasse bei Verhinderung einer Pflegeperson“ bei der Pflegeversicherung gestellt werden. Zusätzlich müssen die Rechnungen / Quittungen des professionellen Pflegedienstes eingereicht werden, sollte die pflegebedürftige Person von einem solchen übergangsweise gepflegt werden. Es empfiehlt sich, dafür auch ein entsprechendes Abrechnungsformular beizulegen, das die Kosten noch einmal gesammelt aufführt. Ein solches Abrechnungsformular wird von der Pflegeversicherung gestellt.

Was den Antrag auf Leistungen der Pflegekasse bei Verhinderung einer Pflegeperson betrifft, so ist dieser auch bei der Pflegeversicherung erhältlich. Alternativ kann man jedoch auch einen eigenen Antrag senden. In diesem müssen die folgenden Angaben enthalten sein:

  • Datum, an dem die ambulante Pflege begonnen hat
  • Zeitraum, in der die private Pflegeperson voraussichtlich vertreten werden muss
  • Angabe, ob die Pflege vollständig (8 Stunden täglich oder länger) oder stundenweise übernommen werden muss
  • Angabe, wer die Verhinderungspflege übernimmt
  • Angabe, in welchem Verhältnis die vertretende Pflegeperson zum Pflegebedürftigen steht
  • Angabe, ob die vertretende Pflegeperson im Haushalt der pflegebedürftigen Person lebt
  • Angabe, ob die Hälfte des Anspruches auf Kurzzeitpflege ebenfalls für die Verhinderungspflege aufgebracht werden soll

Dieser Antrag muss unterschrieben bei der Pflegekasse eingereicht werden.

Die Verhinderungspflege kann auch rückwirkend beansprucht werden. In diesem Fall müssen lediglich die Rechnungen, die auch bei einem nicht rückwirkenden Antrag beigelegt werden, bei der Pflegekasse vorgewiesen werden. Es empfiehlt sich allein deshalb, alle Rechnungen, die mit der Pflege verbunden sind, aufzubewahren.

Häufige Fragen zur Verhinderungspflege

Wer erhält das Geld für die Verhinderungspflege?

Pflegt eine Privatperson die pflegebedürftige Person in der Verhinderungspflege, so werden die Leistungen der Pflegeversicherung, wie auch beim Pflegegeld schon, an die pflegebedürftige Person überwiesen. Dennoch sind die Leistungen prinzipiell dazu gedacht, die Pflegeperson für ihren Aufwand zu entschädigen und werden deshalb in der Regel an diese Person weitergegeben.
Wird die Verhinderungspflege von einem Pflegedienst oder einer professionellen Pflegeperson übernommen, erhalten letztere in der Regel das Geld direkt von der Pflegekasse.

Wie lange kann man die Verhinderungspflege rückwirkend beantragen?

Die Ansprüche, die man auf das Geld der Verhinderungspflege hat, verfallen mit dem Ende des Kalenderjahres. Das heißt, dass man bis zum 31.12. eines Jahres Gelegenheit hat, die Verhinderungspflege zu nutzen. Mit dem neuen Kalenderjahr steht dann wieder die volle Summe für dieses Jahr zur Verfügung.

Wird das Pflegegeld gekürzt?

Ob das Pflegegeld während der Verhinderungspflege gekürzt wird, hängt von der Dauer derselben ab. Das Pflegegeld wird nicht gekürzt, sofern nur eine stundenweise Verhinderungspflege beansprucht wird. Stundenweise heißt hier genau, dass die Verhinderungspflege nicht länger als 8 Stunden im Laufe von 2 Tagen in Anspruch genommen wird. Benötigt die pflegebedürftige Person allerdings eine längere Pflege, wird das Pflegegeld um die Hälfte gekürzt.

Werden die Pflegesachleistungen gekürzt?

Die Pflegesachleistungen, die die pflegebedürftige Person gegebenenfalls parallel zum Pflegegeld erhält, bleiben unberührt, wenn die private Pflegeperson durch Verhinderungspflege vertreten wird.

Welche Leistungen werden von der Verhinderungspflege übernommen?

Mit den Leistungen der Verhinderungspflege können sowohl die Grundpflege als auch die hauswirtschaftlichen Leistungen verwendet werden. Die Behandlungspflege allerdings ist ärztlich verordnet und muss von einem professionellen Pflegedienst durchgeführt werden. Die Behandlungspflege wird von den Krankenkassen getragen.

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