Erhaltung geistiger Fähigkeiten bei Demenz

Demenz ist eine derzeit noch unheilbare Krankheit. Mit gewissen Herangehensweisen schafft man es jedoch, deren Fortschreiten mitunter beträchtlich zu verzögern. Neben körperlichen und sozialen Aktivitäten betrifft das vor allem auch die geistige Aktivität. Hier zeigen wir, was man tun kann, um die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Demenz aktiv zu halten – und was man vermeiden sollte, um keinen Frust aufkommen zu lassen und am Ende gegenteilige Effekte zu bewirken.

Inhalt:

Was sollte man nicht machen?

Überforderung ist etwas, mit dem kein Mensch gerne konfrontiert wird. Bei Menschen mit Demenz äußert sich das genauso wie bei anderen: Enttäuschung, Ärger und Aggressionen stellen sich ein – die Unlust, geistig aktiv zu bleiben, erhöht sich.

Je nach Stadium der Demenz können Menschen ganz unterschiedlich überfordert werden. Deshalb sollte man sich diesem Stadium anpassen und dies bei allen Methoden des Erhalts geistiger Fähigkeiten mit in Betracht ziehen. Außerdem sollte man bereits in der Sprache komplexe Sätze, Metaphern, Ironie etc. vermeiden.

fragezeichen

Bei fortgeschrittener Demenz sollte man Fragen vermeiden, die dem betreffenden Menschen Wissen abverlangen, wie zum Beispiel:

„Was stand heute in der Zeitung?“
„Wo hast du zuletzt deinen Enkel gesehen?“
„Was hast du gestern gegessen?“

Stattdessen kann man man Fragen stellen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können.

Statt „Wie geht es dir heute?“ kann man zum Beispiel fragen: „Geht es dir gut?“, statt „wer hat dich heute besucht?“ kann man fragen: „hat dich deine Enkelin heute besucht?“.

Mehr zur Kommunikation bzw. zum richtigen Umgang mit Menschen mit Demenz können Sie in unserem Beitrag „Umgang mit Menschen mit Demenz – 11 Tipps“ erfahren.

Wie kann man die geistige Aktivität von Menschen mit Demenz fördern?

Aktivierung des Langzeitgedächtnisses

Das Kurzzeitgedächtnis wird bei Demenz stärker beeinträchtigt als das Langzeitgedächtnis.

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Deshalb macht es Sinn, sich auf Letzteres zu konzentrieren. Dies geht am effizientesten durch sogenannte Biographiearbeit.

Zur Info

Unter Biographiearbeit versteht man die Reflexion der eigenen Vergangenheit in einem therapeutischen Setting. Dem betreffende Mensch werden Elemente nahegebracht, die dessen Vergangenheit hervorrufen und so das Langzeitgedächtnis aktivieren.

Beispielsweise kann man durch Musik, die der Mensch mit Demenz in seiner Jugend gehört hat, Erinnerungen hervorrufen, die damit in Zusammenhang stehen. Auch Bilder aus Familienfotoalben bieten viel Stoff zum Erzählen und Erinnern.

In ähnlicher Weise können auch Verse bzw. Volksweisheiten funktionieren; sie haben sich oft tief eingeprägt, weshalb man den Menschen mit Demenz auch danach fragen kann, ob er den Satz zu Ende zu sprechen kann bzw. ob gewisse Erinnerungen im Zusammenhang hervorgerufen werden.

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Die Sinne ansprechen

Ähnlich wie durch auditive oder optische Dinge wird das Langzeitgedächtnis auch durch andere Sinneswahrnehmungen angeregt. So können auch Geschmäcker und Gerüche Erinnerungen wecken, die dann gemeinsam besprochen werden können.
Dies kann man beispielsweise mit einer Tasse Tee, einem bestimmten Stück Kuchen oder einem Gang in den Garten oder in die Stadt erproben.

Therapien zur Erhaltung der geistigen Fähigkeit

Es gibt mehrere Therapieformen, die geistige Fähigkeiten aktiv halten können. Eine davon ist die Musiktherapie, bei der durch Singen, Tanzen etc. Geselligkeit, Stärkung des Selbstwertgefühls und Ausdruck im Vordergrund stehen. Es gibt auch eine Form der passiven Musiktherapie, bei der Musik vorgespielt wird, um die oben genannten Effekte zu erzielen.

Wenn das Hören bzw. Spielen von Musik kein Therapieziel mehr verfolgt, spricht man von Musikgeragogik. Diese hat den Effekt, dass sich die Laune der Teilnehmerinnen und Teilnehmer spürbar verbessert, was sich nicht zuletzt auch auf Angehörige bzw. betreuende Pflegekräfte auswirkt.

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Die Kunsttherapie ist eine weitere Therapieform, die sich überaus positiv auf Menschen mit Demenz auswirken kann. Das Malen, Zeichnen oder Basteln fördert die Konzentration, schafft Erfolgserlebnisse und unterstützt die Kommunikation, indem man sich über die entstandenen Werke unterhalten kann. Außerdem evozieren verschiedene Farben bestimmte Emotionen, die sich auch therapeutisch einsetzen lassen.

Auch das Arbeiten mit bestimmten Motiven kann orientierungsstiftend sein.

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Mit der Aromatherapie werden gezielt die unterschiedlichen Sinne der Patientinnen und Patienten angesprochen. Eingesetzt werden dabei nicht nur Licht und Klang, sondern auch Berührungen, Geschmäcker und Düfte. An dieser Therapie ist sehr vorteilhaft, dass sie auf sämtliche Stadien der Demenz positiv wirkt und allgemeine Verhaltenssymptome der Patientinnen und Patienten verbessert.

In der Realitätsorientierung werden die Menschen mithilfe von Uhren, Kalendern, Bildern von Jahreszeiten bzw. Orten darin geübt, den Bezug zur Realität zu erhalten. Die Realitätsorientierung kann darüber hinaus auch dazu dienen, den Lebensalltag der Patientinnen und Patienten zu erleichtern, indem beispielsweise gewisse Orte mit Farben gekennzeichnet werden, anhand derer sich die Menschen mit Demenz leichter zurecht finden können.

Spaß muss es machen!

Nur durch Spaß an der Sache werden positive Assoziationen mit den behandelten Methoden verknüpft. Und das ist in zweierlei Hinsicht wichtig. Erstens gibt es so mehr Erfolgserlebnisse, zweitens widmet sich der Mensch dieser Aufgabe dann öfter, was ebenfalls positive Effekte zeigt.

Auch deshalb ist es so elementar, auf die Individualität der Patientin bzw. des Patienten einzugehen.

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