Beistand in der Trauer. Die Trauergruppen der Hospizbewegung

Die Hospizbewegung Brandenburg bietet Trauergruppen für Menschen an, die einen Angehörigen verloren haben. Darüber haben wir mit Manuela Lindner, der Koordinatorin der Hospizbewegung, gesprochen.

Für wen ist die Trauergruppe genau da?

Die Trauergruppe ist eine Selbsthilfegruppe, die aber moderiert wird: Von mir selbst sowie von der ehrenamtlichen Hospizhelferin Margot Thiede.

Wir moderieren die Gruppe, weil ansonsten einige zu viel, andere gar keinen Raum bekommen, um ihre Probleme zu besprechen, um Gehör zu finden. Dabei achten wir darauf, diejenigen mit in die Runde aufzunehmen, die sich nicht selbst einbringen können. Man bremst keinen aus, aber moderiert eben.

Wie kann man sich so eine Runde vorstellen, was wird besprochen?

Wir haben offene Gruppen, das heißt, zu jeder Zeit können neue Mitglieder dazukommen. Diese Menschen melden sich bei mir, ich lade sie dann zu einem Vorgespräch ein und gucke, ob sie bei uns in die Gruppe passen.

Wir haben im Moment zwei Gruppen, eine für Frauen, und eine zweite für Männer.
Beide zusammen funktionieren nicht.

Wir hatten sonst immer gemischte Gruppen. Aber Männer und Frauen haben ganz andere Bewältigungsmechanismen und damit auch andere Erwartungen an eine solche Gruppe.

Männer zum Beispiel – und das ist völlig legitim, das ist überhaupt nicht gewertet – sind eher schon dabei, ihr Leben weiter zu planen. Also: „Wer macht den Haushalt, wer kann mich weiter unterstützen, wie ist das mit dem Kochen?“ Und Frauen möchten eher einen Zuhörer, jemanden, der mit ihnen mal irgendwo hingeht, der einfach da ist.

Das ist einfach eine andere Strategie, und die ist genauso berechtigt. Ich will damit gar nicht sagen, dass Männer weniger trauern.

Wie lange dauert so eine Gesprächsrunde generell?

Eine Stunde. Wir haben Platz für 5-10 Leute, aber in der Regel sind es eher 5-6 Leute, mehr kommen bei uns nicht zusammen. Das liegt daran, dass wir bereits im Vorfeld viel Trauerarbeit leisten können, wenn wir die Patienten auch betreuen. In der Trauergruppe finden eher Menschen zusammen, bei denen Todesfälle plötzlich gekommen sind. „Plötzlich“ heißt da aber auch nicht, dass es sich um einen Unfall oder ähnliches handeln muss, sondern dass sie einfach die Realität der Krankheit so nicht betrachtet haben.

Gibt es ein konkretes Ziel, das die Trauergruppe verfolgt?

Das Ziel ist es, den Alltag alleine meistern zu können. Es wird nie wieder so, wie es war, aber es kann auch wieder schön werden.

Wird dieses Ziel erreicht?

Ja, das wird es. Es gibt auch einige, die die Gruppe immer weiter nutzen, die eher wenige soziale Kontakte haben, auch nicht mehr arbeiten, die vielleicht auch zugezogen sind. Sie lösen sich dann eher schwer von so einer Gruppe.

Aber es gibt auch ganz viele, die 5-6 Mal kommen, also so ein halbes Jahr, und danach sagen: „Okay, jetzt habe ich meinen Weg gefunden.“

Es gibt auch Menschen, die eine wirklich pathologische, also eine krankhafte Trauer erleben. Mit ihnen mache ich dann Einzeltherapien und sehe zusammen mit den Hausärzten zu, dass sie eine Kur bzw. eine Reha machen können, in der die Trauer dann intensiv bearbeitet wird.

Gibt es jemandem, dem du die Trauergruppe nicht empfehlen würdest?

Es gibt ganz viele, denen ich die Gruppe nicht empfehle. Einige kommen, weil sie sich mit anderen austauschen wollen, die wissen wollen, wie andere ihre Trauer erleben und verarbeiten. Es gibt aber auch Menschen, die können über den Verstorbenen, über ihre Situation überhaupt nicht reden; und die würden eine solche Gruppe überfordern. Weil dann alle mit ihnen mitleiden und sich dann nicht um ihre eigene Trauer kümmern können.

Ist in der Gruppe nicht sowieso die Gefahr, dass man sich von der Trauer der anderen noch weiter anstecken lässt?

Nein; wie gesagt, wir haben das Vorgespräch, ich schaue vorher, ob es passt – und ansonsten ist es für alle eigentlich so, dass sie merken, dass es auch vielen anderen so geht wie ihnen und dass sie nicht alleine sind.
Es entstehen durch die Gruppe auch Bekanntschaften: Man trifft sich in der Freizeit trifft und geht mal zusammen Kaffee trinken und ähnliches.

Wann, wo und wie oft findet die Trauergruppe statt?

Einmal im Monat im Hospiz, nachmittags um 15 Uhr die Frauen und die Männer um 17:00. Man kann teilnehmen, indem man bei mir anruft, dann können wir alles genau besprechen.

Wenn Sie weitere Informationen zur Trauergruppe wünschen oder einen Gesprächstermin ausmachen möchten, wenden Sie sich bitte an Manuela Lindner:

Telefon: 03381 89095-13
Email: lindner@hospizbewegung-brandenburg.de

Sie wollen Bescheid wissen, wenn ein neuer Beitrag erscheint? Unser Newsletter sagt es Ihnen!

Jetzt anmelden
Inhalte
teilen