Grenzenlose Fürsorge: Dr. Susan Schrot im Einsatz in Nepal

Geschrieben von Lisa Günther am 26. Januar 2024
Kategorien: Allgemein, Karriere

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In diesem Bericht wollen wir das beeindruckende Engagement von Frau Dr. Susan Schrot vorstellen. Sie ist Fachärztin für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde und arbeitet in unserem Palliative Care Team als Palliativmedizinerin. Sie ist engagiertes Mitglied im Verein "hören-helfen e.V." Im vergangenen Sommer hat sie sich zwei Wochen lang einer humanitären Mission des Vereins in Nepal gewidmet. In einem kurzen Interview gewährt uns Frau Dr. Schrot einen Einblick in ihre Erlebnisse, die aufgetretenen Herausforderungen und die tiefe Motivation, die sie dazu bewogen hat, diese Reise anzutreten.

Der Verein „hören - helfen e.V.“ ist ein deutscher, gemeinnütziger Verein und einer der wenigen Vereine und Kooperationen, die sich der Hilfe für schwerhörige Menschen verschrieben haben. In der Vergangenheit und Zukunft widmet sich „hören-helfen e.V.“ der Hörgeräteversorgung hilfsbedürftiger Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener.

Nepalesische Begrüßungszeremonie

Können Sie uns mehr über den Verein „hören-helfen e.V.“ erzählen und wie er sich für die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Nepal engagiert?

Hören-helfen e.V. wurde von einem Hörakustiker-Ehepaar gegründet, das eine Urlaubsreise mit dem Motorrad in Nepal gemacht hat. Vor Ort haben sie die Not der Menschen erkannt und sich dort einbringen wollen. So entstand die Idee zum Projekt. 

Vorrangig agieren in diesem Verein Hörakustiker. Wir sind nur wenige Ärzte im Team. Es wurde eine gute Partnerschaft mit der nepalesischen Hörorganisation, der sogenannte NAHO gegründet. Regelmäßig reisen unterschiedliche Teams nach Nepal. Die Organisation schickt darüber hinaus Spenden in Form von Hörgeräte-Technik wie zum Beispiel Audiometer (Messgeräte für die Hörleistung).

In der Hauptstadt, Kathmandu gibt es eine „Ear-Clinic“, dies ist eine kombinierte Praxis, in der Patienten untersucht werden. Hörgeräte werden von einem nepalesischen Assistenten angepasst und Hörtests vorgenommen. 

Wie haben Sie persönlich zu „hören-helfen e.V.“ gefunden und welche Rolle spielen Sie bei den Aktivitäten des Vereins? 

Ich war vor einiger Zeit für 4 Wochen in Ghana bei einem ähnlichen Projekt. Das spricht sich natürlich ein bisschen rum. Daher kam das Akustiker-Ehepaar Haase aus Brandenburg an der Havel auf mich zu und fragte mich, ob ich an weiteren Projekten dieser Art Interesse hätte. 2016 war ich somit das erste Mal in Nepal und der Einsatz im letzten Sommer war bereits mein dritter Einsatz vor Ort. Weitere sind ebenfalls geplant.

In Nepal sind wir eine Gruppe von 4 – 5 Leuten, arbeiten im Team - Hand in Hand. Und auch das macht mir viel Spaß. Angst vor Kriminalität habe ich nicht, eher vor dem Verkehr und den Straßen in Nepal, die sind wirklich verrückt. Allgemein finde ich es dort sehr entspannt. Die Menschen ruhen in ihrem Glauben. Die vorrangigen Religionen in Nepal sind der Buddhismus und Hinduismus, das spiegelt sich in der Mentalität wieder. Die Nepalesen habe ich als sehr freundlich, geduldig und vor allem dankbar kennengelernt. Dabei geht einem wirklich das Herz auf. Irgendwie wird man durch diese Dankbarkeit beflügelt.

Das Team mit dem Lehrerkollegium in einer Schwerhörigenschule in Chitwan

Welche Herausforderungen gab es bei der Organisation und Umsetzung medizinischer Missionen in Nepal und wie hat der Verein diese bewältigt? 

Das Gesundheitssystem in Nepal ist eine große Herausforderung für die Menschen mit Erkrankungen. Es ist ganz anders als in Deutschland und nicht vergleichbar. Durch das Projekt können die Untersuchungen und ggf. Anpassungen der Hörgeräte kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Teilweise wird auch Bekleidung (Trainingsanzüge etc.) bereitgestellt.  Ebenfalls wurde über den Verein bereits ein Dach für eine Schule gespendet. Dies alles finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spendengelder. 

Als Ärztin kann ich mich gut für Untersuchungen und ggf. der Erstellung von Operationsindikationen einbringen. Teilweise ist es dem Verein möglich, die Kosten für solche Operationen zu bezahlen, da die Menschen in Nepal ohne eine Krankenversicherung klarkommen müssen und die anfallenden Kosten oftmals alleine tragen. Hörgeräte kann sich dort kaum jemand leisten.

Können Sie Beispiele für Erfolge oder positive Auswirkungen nennen, die durch die Arbeit von „hören-helfen“ in Nepal erzielt wurden? 

Über den Verein war es möglich, den Kollegen aus Nepal an einer Hörakustiker Schule in Lübeck zur Weiterbildung zu senden. Die Finanzierung lief über den Verein. Das frisch erlernte Wissen kann er somit in Nepal einsetzen und trägt nachhaltig dazu bei, Patienten zu versorgen. 

Ausgebildeter Kollege vor Ort in Nepal

Können Sie uns von einem berührenden Moment oder einer besonderen Erfahrung während Ihrer Mission in Nepal erzählen? 

Ein besonders berührender Moment während meiner Mission in Nepal war die Begegnung mit einem 15-jährigen hochgradig schwerhörigen Mädchen in einem Internat für Schwerhörige. Sie erhielt zum ersten Mal ein Hörgerät, und die Auswirkungen waren einfach unglaublich. Die Freude und Dankbarkeit in ihren Augen waren unbeschreiblich. Das war ein Moment der mich wirklich zutiefst berührt hat. Allerdings gab es davon einige Momente. 

Wie hat sich Ihre Arbeit in Nepal auf Ihre Arbeit als Palliativärztin in Deutschland ausgewirkt? 

Die Erfahrungen in Nepal haben meine Arbeit als Palliativärztin in Deutschland auf vielfältige Weise beeinflusst. Die Dankbarkeit, die ich in den Gesichtern der Menschen in Nepal erlebt habe, hat meine Wertschätzung für die kleinen Momente des Lebens verstärkt. Die Menschen in Nepal haben oft mit bescheidenen und ganz einfachen Mitteln ein zufriedenes und glückliches Leben geführt. Diese Bescheidenheit und ihre Fähigkeit, Glück in einfachen Dingen zu finden, haben mir eine neue Perspektive auf das Streben nach Zufriedenheit vermittelt. Insgesamt kann ich sagen, dass dies eine weitere Erfahrung war, die meine Arbeit als Ärztin und auch als Mensch sehr bereichert hat. 

Welche Empfehlungen oder Botschaften haben Sie für andere Ärzte oder medizinisches Personal, die humanitäre Arbeit im Ausland in Betracht ziehen? 

Ich kann dieses oder ähnliche Projekte sehr empfehlen und jedem einzelnen Arzt sowie Schwestern und Pflegern ans Herz legen. Man tut Gutes, kann so viele Menschen glücklich machen und man bekommt so viel Dankbarkeit und unvergessliche Augenblicke zurück. Das ist wirklich wahnsinnig schön. Ich würde mich jederzeit bereiterklären, erneut nach Nepal zu reisen und dort zu unterstützen.

Gibt es Pläne, Ihre humanitären Einsätze in Zukunft fortzusetzen oder ist bereits etwas geplant? 

Dieses Jahr kommt noch ein weiteres Team, auch aus Australien und unterstützen die Kollegen vor Ort in Nepal. Ich werde das Projekt weiterhin unterstützen und präsent sein. 

Eine Schule in Chitwan
Mittagspause in der Schule Chitwan

Kann die Gemeinschaft oder die Öffentlichkeit dazu beitragen, Ihre Arbeit und ähnliche Missionen zu unterstützen?

Klingt sehr einfach aber, ja. Die finanziellen Mittel sind begrenzt. Da die Organisation auf Spenden und Mitgliedsbeiträgen angewiesen ist, um somit weiterhin solche wichtige Arbeit leisten zu können, sind Spenden hilfreich. 

Impressionen vom Land

Unterstütze den Verein hören-helfen e.V.
bei seiner Arbeit

Wenn ihr Interesse daran habt, diese großartige Arbeit zu unterstützen und einen Beitrag leisten wollt, könnt ihr gerne eine Geldspende an folgende Bankverbindung senden.

Bankverbindung:
Volksbank Berlin
IBAN: DE17 1009 0000 2346 0070 04, BIC: BEVODEBBXX

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