Katrin Gutschmidt

Palliativpflege – von Anfang an dabei!

Geschrieben von Johannes Schleicher am 28. Mai 2020
Kategorie: Palliativpflege

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Katrin Gutschmidt ist die längste Mitarbeiterin der Jedermann Gruppe. Sie war von Anfang an dabei, als wir noch "Hauskrankenpflege für Jedermann" hießen, als wir noch 5 Mitarbeiter zählten und als es noch unmotorisiert zur Arbeit ging.

Täglich hat Katrin die Strecke von Hohenstücken bis nach Schmerzke, also rund 9 Kilometer, noch mit dem Fahrrad bewältigt – und zwar mindestens zwei Mal. Da kam der Trabi der Chefin, den sie als Dienstwagen bekommen hat, und später ein alter klappriger Fiat Panda gerade recht und wurde dankbar angenommen.

13 Jahre hat Katrin in der Hauskrankenpflege gearbeitet. Dann hat 2004 das Hospiz geöffnet. Das war ein großer Schritt für die Jedermann Gruppe, und auch einer für Katrin.

Schon im Jahr 2000 hat sie die Palliative Care Ausbildung gemacht. Das war schon verdammt früh – man erinnert sich, das Hospiz- und Palliativgesetz ist erst Ende 2015 in Kraft getreten, die Palliativpflege an sich ist eine recht neue Disziplin in der Pflege.

Warum Palliativpflege?

Das war für Katrin relativ klar. Die Kommunikation mit Angehörigen war kompliziert, Familien waren häufig überfordert, es mussten zu viele Einsätze gemacht werden, oft ist die Situation eskaliert.

"Das muss auch anders gehen", hat sie sich gedacht. Zum Glück, so sagt sie, ist dann 1989 die Wende gekommen und mit ihr die Hospizidee.

Die Ausbildung hat Katrin viel mehr Einsicht gebracht, ihr Handeln sensibilisiert, und mit dem Hospiz wurde 2004 dann auch in Brandenburg an der Havel ein Ort geschaffen, an dem sie ihre Fähigkeiten voll einsetzen konnte.

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Seit 2007 ist sie dort Pflegedienstleiterin.

Die Schwierigkeiten eines Hospizes

Mit Hospizen hatten die meisten Leute zu anfangs allerdings ein Problem: Wenn man das Wort "Hospiz" hörte, dachte man an einen dunklen, tristen Ort voller Leid und Grabesstimmung. Dort wollte man nicht sterben. Und es hat wirklich lange gedauert und vieler Überredungskünste bedurft, bis das Hospiz voll besetzt war.

Es klingt zwar irgendwie makaber, ist es aber tatsächlich nicht: Als das Hospiz zum ersten Mal voll belegt war, es war spät abends, haben sich die Jedermann-Mitarbeiter wirklich gefreut. Endlich hatten sie die Menschen von der Hospizidee überzeugt. Seitdem ist das Hospiz jederzeit belegt.

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Schon auf Bildern sieht man, dass das Hospiz keine "Sterbehöhle" ist, sondern dass es im Gegenteil ein Ort ist, an dem Trost gespendet wird, an dem Schmerzen gelindert und Menschen geholfen wird. Tatsächlich wird auch gelacht im Hospiz – auch sterbende Menschen haben Sinn für Humor und brauchen ab und zu mal ein nettes Wort und einen Scherz.

Natürlich ist auch nicht immer alles eitel Sonnenschein in der Palliativarbeit. Pflegefachkräfte sind mittlerweile auch hier schwer zu finden, die Coronageschichte spürt man auch – nicht, was Infektionen angeht, aber die Arbeitsmittel waren lange schwerer zu beschaffen.

Ganz abgesehen davon prägt dauernde Kontakt mit sterbenden Menschen einen schon. Das hat allerdings nicht nur negative Seiten. Ernster ist sie geworden, meint Katrin. Dafür lässt sie sich aber auch nicht von allem und jedem aufregen. Wo andere ein Wahnsinnsproblem draus machen, denkt sie: Es gibt Schlimmeres.

Was bringt die Zukunft?

Schwer zu sagen, meint Katrin. Ein Hospiz ist ein Ort, an dem man nicht leicht planen kann, jeder Tag läuft anders ab. Heute geht's den Patienten gut, morgen geht es plötzlich allen 10 sehr schlecht. Eine Sache ist aber sicher: Sie möchte nirgendwo anders arbeiten.

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