Sterbebegleiter Immo und der Umgang mit dem Tod

Immo ist evangelischer Priester im Ruhestand und ehrenamtlicher Sterbebegleiter bei der Hospizbewegung Brandenburg. Er steht Menschen auf ihrem letzten Lebensweg bei. Das macht einen Umgang mit dem Tod unumgänglich.

Ich wollte wissen, wie sich der Tod und das Sterben für Immo gestalten und wie das den Umgang mit den Menschen beeinflusst, die er begleitet.

Ich bin der Meinung, jeder Mensch beschäftigt sich mit dem Tod. Allgemein sagt man ja, der Tod wird verdrängt. Das glaube ich aber nicht.
Es wird sich vielmehr permanent mit ihm beschäftigt, man wird immer wieder vom Tod berührt.

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Zum Beispiel in der Zeitung, dort liest man von Motorradunfällen mit Todesfolgen, von Kriegen etc.

Und wenn man sich darauf einlässt, dass das Sterben und der Tod Gedanken besetzt und Empfindungen mit bestimmt, wenn man begreift, dass der Tod Teil des Lebens ist, dann verliert man auch ein wenig die Angst vor ihm.

Es gibt da einen schönen Gedanken, also ich finde ihn schön, er hilft mir auch dabei, Menschen zu begleiten:

Der Tod vollendet das Leben. Das Sterben ist der Weg dorthin.

Der Tod bricht das Leben nicht ab, er vollendet es (wenn er nicht mit Gewalt gepaart ist – ich spreche vom natürlichen Tod). Damit verliert der Tod seine unangenehme Größe.

Und da werde ich, für mich persönlich, religiös: Wenn der Tod das Leben vollendet, legt das auch nahe, dass da noch etwas sein kann. Da ist vielleicht was, was dieser Vollendung folgt. Und das nimmt auch viel Angst.

Man muss das aber auch nicht religiös denken, sondern einfach menschlich: An der Vollendung kommt keiner vorbei, jeder erreicht sie irgendwann, früher oder später.

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Das Leben kommt in einem gewissen Augenblick in den Menschen, genauso wie es ihn im Tode wieder verlässt. Und so begibt man sich in eine Zeit hinein, in die man nicht sehen kann, mag sie als Unendlichkeit bezeichnet werden, als Ort jenseits meiner Vorstellung.

Und so kann ich mir auch das Leben nach dem Tod denken, und die Vollendung. Das ist zwar radikal anders als alles, was ich kenne, aber immer noch verknüpft mit dem, was ich gerade bin. Und das ist beruhigend.

Man geht nicht in ein Nichts hinein, sondern in ein Etwas, das man sich nur nicht vorstellen kann. Damit bin ich, ist mein Leben noch konkret vorhanden. In ein Nichts hineingehen, das würde Angst machen. Mir zumindest. Es gibt natürlich auch Menschen, die mit dieser Vorstellung kein Problem haben.

Und wenn ich dann an einem Bett sitze und die Hand eines Sterbenden halte, dann kann ich mir solche Gedanken machen. Das nimmt die Spannung und die Angst. Natürlich geht sie nie ganz weg, aber das Entsetzen, das ist weg.

Über mein Verhältnis zum Tod rede ich mit Sterbenden aber eigentlich nicht. Das ergibt sich oft einfach nicht. Ich drücke meinem Gesprächspartner meine Haltung nicht auf. Schließlich geht es um ihn und nicht um mich. Im Gespräch versuche ich immer, auf den anderen einzugehen, nicht meine Meinung zum Ausdruck zu bringen.

Der Sterbeweg braucht jedoch eine andere Haltung als die des Nachdenkens über den Tod. Er braucht Begleitung, Empathie, Palliativbehandlung, damit Menschen schmerzfrei, würdig und möglichst friedlich einschlafen können. Da ist es schon auch wichtig, dass man Morphium geben kann, damit der Mensch von den Spannungen der letzten Stunden befreit bleibt und – hoffentlich – entlastet sterben kann.

Was mir bei der Sterbebegleitung hilft, ist der folgende Gedanke: Zum Leben gehört Sterben. Zum Sterben gehört Tod. Zum Tod gehört Veränderung. Genauso wie Krankheit, Geburt und Freude. So kann ich das annehmen.

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