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10 Tipps zum richtigen Sprechen mit Menschen mit Demenz

Geschrieben von Johannes Schleicher am 27. November 2020
Kategorie: Demenz

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Der Umgang mit Menschen mit Demenz erfordert eine besondere Sensibilität und Achtsamkeit – auch im Umgang mit Sprache. Dabei ist Sprache & Sprechen von zentraler Bedeutung. Hier geben wir – in Zusammenarbeit mit Musikgeragogin Marie Rohde – 10 Tipps zum richtigen Sprechen mit Menschen mit Demenz.

1. Die richtigen Fragen stellen

Fragen signalisieren Interesse, das ist nicht nur bei Menschen mit Demenz so. Deshalb ist es prinzipiell super, Fragen an Menschen mit Demenz zu richten. Man sollte jedoch darauf achten, dass die Fragen nicht zu komplex und abstrakt werden. Denn wenn das Antworten zu schwer ausfällt, fühlt sich das Gegenüber hilflos und der Frust nimmt zu. Deshalb kann man sich an diese Prinzipien halten:

W-Fragen vermeiden, Ja/Nein-Fragen stellen

Wer, wie, wo, was und insbesondere warum – dadurch werden immer offene Fragen eingeleitet. Die Antwort darauf ist wesentlich schwerer zu geben als ein einfaches Ja oder Nein, sie erfordert mehr Denkleistung.

Statt "Wie geht es dir?" kann man einfach "Geht es dir gut?" fragen.
Statt "Wer hat heute Besuch?" kann man fragen: "Hat Birgit heute Besuch?"
Und so weiter.

Oder-Fragen statt offene Fragen

Statt "Welchen Pulli magst du lieber?" zu fragen, kann man auch "Magst du den gelben oder den blauen Pulli lieber?" fragen. Die Antwort wird auf zwei Optionen begrenzt und ist hier wesentlich leichter zu finden.

Betreuung für Menschen mit Demenz

Oft ist die Betreuung zuhause nicht mehr möglich. Dafür stehen unsere Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz in Brandenburg an der Havel zur Verfügung, in denen die Bewohner fürsorglich und professionell betreut werden.

Mehr zu den Wohngemeinschaften

2. Erkläre deine Handlungen

Indem man in der Ich-Form beschreibt, was man gleich tun wird, nimmt man der Tat den Überraschungseffekt. Das Gegenüber kann sich darauf einstellen und versteht am Ende besser, was passiert, als wenn es einfach ohne Vorwarnung geschieht.

"Ich räume jetzt den Tisch ab" oder "ich helfe dir jetzt in die Jacke" leitet die Handlung für das Gegenüber – gerade bei beginnender Demenz – besser verständlich ein.

3. Bleibe kurz und knapp

Zu lange Sätze mit vielen verwirren – auch das ist nicht nur bei Menschen mit Demenz der Fall. Kurze, einfache Sätze steigern das Verständnis und auch die Lust, weiter zuzuhören.

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4. Keine Verneinungen nicht zu benutzen verwirrt Sätze niemals nicht

Verneinungen verwirren auch. Deshalb sollte man sie vermeiden, wo es geht. Das macht die Aussage einfach und bringt noch dazu eine angenehme Atmosphäre in das Miteinander. Statt "nein, geh nicht dort rein!" klingt ein freundliches "Bleib doch hier bei mir" gleich viel besser.

Umgang mit Menschen mit Demenz

5. Bleib positiv

Lob & Komplimente machen glücklich, Kritik und Vorwürfe nicht. Das ist bei kognitiv unveränderten Menschen auch so. Um das Selbstbild und das Selbstwertgefühl des Betroffenen weiter zu stärken, ist es darum wichtig, viel zu loben und positiv zu bleiben, auch wenn das manchmal schwer fällt.

6. Dialekte helfen

Wenn man merkt, dass ein Mensch mit Demenz einen Dialekt hat, nach dem auch die eigene Zunge gewachsen ist, dann raus damit! Das verbrüdert und -schwestert schneller als der gemeinsam geliebte Fußballverein. Es schafft – wenn es ernst gemeint genutzt wird – Nähe und Vertrauen und somit eine gute Grundlage für die Kommunikation.

7. Ruhig & langsam reden

Das versteht sich eigentlich von selbst, aber: Ruhiges und langsames Reden beruhigt und wird außerdem besser verstanden als das Gegenteil. Pausen helfen, das Gesagte zu verarbeiten. Wenn etwas nicht verstanden wird, ist es ratsam, es auch gerne öfter wiederholen.

8. Lass deinem Gegenüber Zeit

Je mehr man ungeduldig auf eine Antwort wartet, seinem Gegenüber mit Demenz das Wort aus dem Mund nimmt, ihm das Wort abschneidet, desto mehr fühlt er sich gegängelt und gestresst. Ausreden lassen ist die Devise, auch wenn es länger dauern sollte. Das signalisiert Respekt und ehrliches Interesse an der Antwort.

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9. Kommunizieren auf Augenhöhe

Zwar gilt das auch für den Inhalt und die Tonlage des Gesagten, aber hier ist auch die tatsächliche Augenhöhe gemeint. Die Person steht? Dann sollte man auch stehen.
Abgesehen davon ist es wichtig, immer klar ins Blickfeld der Person zu treten und sie von vorne, nicht von der Seite anzusprechen, das erleichtert das Verständnis, schafft klare Situationen und vermeidet unliebsame Überraschungen oder Missverständnisse.

Musikgeragogin Marie Rohde beschäftigt sich mit Kommunikation mit Menschen mit Demenz und erarbeitet Konzepte für und mit Pflegenden. Hier können Sie mehr erfahren.

10. "Die Frau und der Mann", nicht "sie und er"

Nutze Subjekte, nicht Pronomen erleichtern dem demenziell Erkrankten das Verständnis und helfen ihm, den roten Faden zu behalten. Das bedeutet, dass man Subjekte auch mehrmals erwähnen muss.

Statt zu sagen "Daniel ist überglücklich. Er hat zwei große Stücke Torte gegessen." ist es besser, zu sagen: "Daniel ist überglücklich. Daniel hat zwei große Stücke Torte gegessen."

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