Zusätzliche Betreuungsleistungen

Neben dem Pflegegeld und der Pflegesachleistung stehen Pflegebedürftigen auch zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach §45b SGB XI zur Verfügung.

Inhalt:

Was sind zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen?

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen (bzw. der Entlastungsbetrag) sind eine zusätzliche finanzielle Hilfe seitens der Pflegekasse, welche sich an alle Pflegebedürftigen richtet und die zusätzlich zu den herkömmlichen Leistungen gezahlt wird.

Diese unter § 45b SGB XI festgelegte Hilfe dient dazu, konkrete Aufwendungen, die Pflegebedürftigen bzw. Angehörigen im Zusammenhang mit gewissen Aktivitäten bzw. Leistungen entstehen, zu decken. Welche Aktivitäten bzw. Leistungen das sind, wird im Nachfolgenden behandelt.

Wer kann zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach §45 SGB XI beziehen?

Bis Ende 2014 erhielten nur Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen oder den Entlastungsbetrag, wie er im SGB XI auch genannt wird. Seit Beginn 2015 können jedoch auch Menschen ohne erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz diese Leistungen in Anspruch nehmen. Das bezieht sich jedoch nur auf die Pflegebedürftigen, welche in einer ambulanten, also häuslichen Wohnform leben. Pflegebedürftige, die ihren Alltag in einer stationären Umgebung erleben, können stattdessen vom §87b SGB XI profitieren. Allerdings zahlen die Pflegekassen die Leistungen in diesem Fall an das Heim, das für die Pflege der Pflegebedürftigen zuständig ist.

Was bedeutet eingeschränkte Alltagskompetenz?

Die Kriterien für die sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz sind im Gesetz festgelegt. Sie sind beispielsweise erfüllt, wenn der oder die Pflegebedürftige die Tendenz dazu aufweist, wegzulaufen, wenn er oder sie gefährliche Situationen verursacht, die eigene Versorgung nicht mehr gewährleisten kann, eine Störung des Tag-Nacht-Rhythmus’ aufweist oder aggressives Verhalten zeigt. Diese Bedingungen für eine entsprechende Einstufung treffen vor allem auf demenzkranke Personen zu. Aber auch bei psychischen Erkrankungen oder einer geistigen Behinderung können diese Kriterien greifen.

Wie viel Geld steht mir zu?

Der Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen und Entlastungsleistungen lag nach § 45b SGB XI bis Ende 2016 bei 104 Euro monatlich beziehungsweise bei 208 Euro monatlich, wenn (in seltensten Fällen) eine erhöhte Summe festgelegt wurde. Wird die Leistung in einem Kalenderjahr nicht ausgeschöpft, können nicht verbrauchte Leistungen in das folgende Kalenderhalbjahr übertragen werden.

Mit dem PSG II hat sich der Betrag geändert. Seit Anfang 2017 werden gemäß §45b SGB XI jedem Patienten, unabhängig vom Pflegegrad, zusätzliche Betreuungsleistungen in Höhe von 125 Euro monatlich von der Pflegeversicherung an Leistungen zur Verfügung gestellt.

Wer seinen Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen seitens der Pflegekasse zudem nicht voll ausschöpft, kann den Betrag, der nicht für den Bezug von ambulanten Sachleistungen genutzt wurde, bis maximal 40 Prozent für die sogenannten niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote verwenden.

Die monatliche Summe wird nicht an die pflegebedürftige Person oder ihre Angehörigen ausgezahlt, sondern kann verwendet werden für Dienstleistungen, die für die Pflege vonnöten sind.

Wie hängen die Leistungen mit dem Pflegegrad zusammen?

Im Zusammenhang mit den zusätzlichen Betreuungsleistungen und Entlastungsleistungen spielt der Pflegegrad nur eine untergeordnete Rolle. Denn dieser ist nicht ausschlaggebend, um den Betrag zu erhalten. Dennoch muss die Pflegebedürftigkeit der Person natürlich festgestellt werden.

Welche Leistungen können abgerechnet werden?

Bei den zusätzlichen Betreuungsleistungen und Entlastungsleistungen handelt es sich nach § 45b SGB XI um eine Pflegesachleistung. Damit ist es möglich, die Leistungen der Pflegekasse für die Betreuung der Nacht- und Tagespflege, die Kurzzeitpflege und die Verhinderungspflege aufzuwenden. Das heißt, dass diese Dienste in einem höheren Maße in Anspruch genommen werden können. Damit werden Angehörige etwa länger entlastet. Die Leistung erstreckt sich im Allgemeinen auch auf zugelassene Pflegedienste, die ein besonderes Angebot aufweisen, das über die Grundpflege hinausgeht. Hierbei geht es vor allem um die Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung der pflegebedürftigen Person sowie um tagesstrukturierende Maßnahmen.
 

Niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote

Darüber hinaus sind folgende niedrigschwellige Betreuungsangebote mit der Pflegeversicherung abrechenbar:

    • Bewältigung von allgemeinen oder pflegebedingten Anforderungen des Alltags
      z.B. unterstützende Anleitung für pflegende Angehörige / Nahestehende, Betreuung der Korrespondenz mit Behörden
    • Organisation von individuell benötigten Hilfeleistungen
      z.B. Organisation eines Hausnotrufgeräts, Hilfsmittelbesorgung
    • Entlastung von pflegenden Angehörigen oder vergleichbar nahestehenden Pflegenden
      z.B. Begleitung außerhalb des Hauses, Hilfestellung bei pflegebedingten Umbaumaßnahmen der Wohnung
    • Unterstützung im Haushalt
      z.B. Haushalt reinigen, Zimmerpflanzen bewässern, Versorgung von Haustieren, die eigene Versorgung usw.
    • Betreuungsleistungen
      z.B. Beaufsichtigung zur Entlastung von pflegenden Angehörigen, Anregung und Unterstützung bei sozialen Kontakten

Wie kann ich diesen Betrag erhalten?

Um die Leistungen dieser Art zu erhalten, muss ein Antrag bei der Pflegeversicherung gestellt werden. Entweder ist die betroffene Person bereits einem Pflegegrad zugehörig oder die Pflegebedürftigkeit und damit einhergehend auch der Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen nach § 45b SGB XI wird neu festgestellt. Die Feststellung des Pflegegrads erfolgt bei einem Hausbesuch durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Weitere Informationen zum Thema Pflegebedürftigkeit finden Sie in unserem Ratgeber Alles über die neuen Pflegegrade.

Bei der Begutachtung durch den MDK wird mittels eines Fragenkataloges geklärt, ob eine eingeschränkte Alltagskompetenz bzw. eine Einschränkung der Selbstständigkeit des pflegebedürftigen Menschen vorliegt. Dabei spielen mehrere Kriterien eine Rolle, die darauf schließen lassen, dass es für die betroffene Person schwierig ist, den Alltag selbstständig, also ohne Hilfe einer Pflegeperson oder eines pflegenden Angehörigen, zu bewältigen. Auf den Besuch des MDK sollte man sich ausführlich vorbereiten. Alle nötigen Informationen rund um die Begutachtung können Sie bei Ihrem Pflegedienst, bei Ihrer Krankenkasse und bei unabhängigen Pflegeberatungen erfragen.

Video des BMG zu Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI

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