Vom Atmungstherapeuten, der nicht in die Pflege wollte

Man kann es fast schon Schicksal nennen, dass Wolfgang Atmungstherapeut geworden ist. Denn in der Pflege wollte er eigentlich gar nicht arbeiten.

Familiär war er stark vorbelastet – Onkel und Tanten mütterlicher- und väterlicherseits sind Pflegekräfte, die Oma war altgediente Militärkrankenschwester. Und in diese Fußstapfen wollte Wolfgang zuerst nicht treten.

Irgendetwas hat ihn dann aber doch dazu gedrängt, seinen Zivi in der Krankenpflege zu machen – und da war es dann um ihn geschehen. Da hat sich die Pflege dann tatsächlich als Berufsbild entpuppt, das ihn nicht mehr loslassen sollte – im Gegenteil. Aber dazu gleich mehr.

Jedenfalls war es schon für den Zivi-Wolfgang ziemlich klar, dass es die ambulante Pflege werden würde, in die er sich einbringen wollte. Im Krankenhaus, meint er, fehle einfach die Zeit. Damit würde er nicht glücklich werden, und seine Pflege würde darunter dann auch leiden.

Klinik – der Horror pur?

Natürlich nicht, meint Wolfgang. Die Klinik bietet selbstverständlich auch große Vorteile: Weaning zum Beispiel, die Entwöhnung von der Beatmung, ist rein außerklinisch schlichtweg undenkbar.

Und so hat es Wolfgang nicht nur in die Pflege, sondern auch gleich zu uns verschlagen.

Warum nicht Atmungstherapeut?

Wolfgang ist zusehends in seiner Aufgabe aufgegangen und wollte sich mehr und mehr einbringen – und da lag es dann auch nahe, eine Ausbildung zum Atmungstherapeuten zu machen. Tatsächlich hatte er während seines Pflegeexpertenkurses eine Atmungstherapeutin kennen gelernt, die dermaßen viel Fachwissen hatte, dass ihre fachliche Meinung auch von Stationsärzten nicht mehr diskutiert wurde.

Die Ausbildung zum Atmungstherapeuten ist sehr neu und sehr hart, aber auch wirklich wichtig, weil man in ihr Dinge lernt, die die Intensivpflege maßgeblich verbessern, stationär wie auch ambulant.

Für Wolfgang war es während der Ausbildung besonders essentiell, den Blick immer gerade auf die Außerklinik zu haben, da er sich schließlich genau dort einbringen wollte.

Was macht so ein Atmungstherapeut?

Grob gesagt: Die Pflegequalität beatmeter Menschen sichern. Was bedeutet das aber im Einzelnen?

Wolfgang hat zunächst einmal vor, sein Wissen in internen Fortbildungen weiterzugeben, Pflegekräfte zu schulen, zu sensibilisieren.

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Abgesehen davon ist er natürlich einfach Experte für Beatmung: Wenn irgendwo ungewöhnliche Probleme aufkommen, kann er einen Dienst übernehmen und durch gezielte Blutgasanalysen herausfinden, was nicht stimmt.

Einfach hinfahren, eine BGA machen und wieder abhauen, das würde keinen Sinn machen, meint Wolfgang – man muss ja darauf eingehen, wie es den Leuten gerade geht: Sind sie gestresst? Kommen sie gerade aus der Beatmung? Ansonsten liefert eine solche Analyse einfach keine brauchbaren Ergebnisse.

Gut, dass es mit der Pflege immer weitergeht!

Manchmal wundert man sich, dass die Pflege als Disziplin noch so jung erscheint. Dabei liegt der Grund eigentlich auf der Hand: Heimbeatmungsgeräte mussten beispielsweise erstmal entwickelt werden, bevor man mit der ambulanten Intensivpflege anfangen konnte.

Davor gab es nur das „terminale Weaning“: Man wurde von der Beatmung genommen – entweder man atmete dann weiter, oder man starb. Die Alternative zum selbstständigen Atmen war damals nämlich ein Leben auf einer Intensivstation.

Da ist es schon wirklich großartig, dass wir in unserer Zeit auf Heimbeatmung zurückgreifen können und dadurch ein ganz neues Level an Lebensqualität für die Menschen ermöglichen können, die sonst nur auf Station ein Überleben gehabt hätten.

Dabei hört es aber noch nicht auf: Durch Pflegekräfte wie Wolfgang, die immer weiter nach vorne denken und auch nach vorne handeln, kann man das Potential, das in der Pflege schlummert – in Wolfgangs Fall vor allem außerklinische Intensivpflege – immer weiter ausschöpfen. Zum Wohle der Patienten, und auch zum Wohle der Pflegekräfte.

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