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Frühmobilisierung – 5 Fakten, die Sie wissen müssen

Geschrieben von Johannes Schleicher am 28. Oktober 2021
Kategorie: Intensivpflege

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Frühmobilisierung ist ein Maßnahmenpaket in der Pflege, mit dem man versucht, den Patienten schnellstmöglich zu mobilisieren. Die Maßnahmen bestehen aus aktiven und passiven Bewegungsübungen. Das Ziel ist, die physiologischen Abläufe im Körper positiv zu beeinflussen. Das betrifft beispielsweise eine bessere Lungenbelüftung, eine Steigerung der Darmfunktionen und auch insgesamt eine bessere Beweglichkeit. Auch und gerade in der Intensivpflege findet Frühmobilisierung Anwendung.

In diesem Beitrag geben wir einen groben Überblick darüber, welche Vorteile Frühmobilisierung hat und welche Maßnahmen sie beinhaltet.

Warum sollte man eine Frühmobilisierung anstreben?

Gründe für Frühmobilisierung gibt es viele:

  • Steigerung der späteren Lebensqualität
  • Förderung oder Erhaltung der Bewegungsfähigkeit
  • Schnellere Erholung
  • Stimulation des Herz-Kreislaufsystems
  • "Deconditioning" wird verhindert bzw. kann entgegengewirkt werden
  • Frühmobilisierung ist auch Sekretmanagement 
  • Kürzerer Aufenthalt im Krankenhaus
  • Verminderung von lagerungsbedingten Hautschäden
  • Verminderung von Delirs

Zur Info: Was ist „Deconditioning“

Von Deconditioning spricht man, wenn ein Organismus sich an weniger anspruchsvolle Lebensumstände anpasst. Wenn ein Körper also zum Beispiel mehr liegt, gewöhnt er sich ans Liegen, woraufhin das Laufen immer schwerer fällt.


Frühmobilisierung – ist das nicht zu früh?

Ein Bedenken gegenüber Frühmobilisierung ist, dass sie eben zu früh geschieht – dass Patienten noch nicht in der Lage sind, mobilisiert zu werden, und die Mobilisierung daher eher Schaden anrichtet als Nutzen bringt. 

Und selbstverständlich gibt es Patienten, die sich nicht oder weniger für Frühmobilisierung eignen. Mehr dazu weiter unten.

Prinzipiell nimmt man bei der Frühmobilisierung aber selbstverständlich Rücksicht auf die Verfassung des Patienten und wählt dementsprechend das geeignete Maßnahmenpaket aus.

Welche Maßnahmen der Frühmobilisierung gibt es?

Es gibt passive, assistiert-aktive und aktive Maßnahmen, aus denen sich Frühmobilisierung zusammensetzen kann. Darüber hinaus fallen auch gewisse Lagerungspositionen unter Frühmobilisierung.

Lagerungen

Dazu zählen Lagerungspositionen, die den Gasaustausch in der Lunge unterstützen, pulmonale Komplikationen verhindern und Aufliegepunkte entlasten.

Das erreicht man beispielsweise mit einer Seitenlagerung von 30°- 90° Neigung, aber auch durch das Aufrichten des Oberkörpers um 30°. 

Die Bauchlagerung eines Patienten kann den pulmonalen Gasaustausch ebenfalls verbessern. Auch wird dadurch die Sekretmobilisation verbessert. Außerdem kann häufiges Umlagern zu diesem Ziel beitragen.

Passive Maßnahmen

Hier sind Maßnahmen gemeint, bei denen der Patient nicht selbst tätig wird, also passive Bewegungen aller Extremitäten in sämtliche physiologisch mögliche Richtungen.

Ist der Oberkörper immobil, kann ein Bettfahrrad genutzt werden, um das Herz-Kreislaufsystem anzuregen.

Bei Immobilität des Unterkörpers kann ein Mobilisationsstuhl aufrechtes Sitzen ermöglichen, was ebenfalls den Kreislauf anregen und die Atmung erleichtern kann.

Letzteres ist eine vertikale Mobilisierung, die auch durch einen Kipptisch oder ein Stehbrett durchgeführt werden kann.

Assistiert-aktive Maßnahmen

Bei assistiert-aktiven Maßnahmen hilft man dem Patienten dabei, selbst Bewegungsübungen durchzuführen. Das betrifft beispielsweise das assistierte Aufrichten im Bett, unterstützte Bewegungsübungen in Rückenlage und Balancetraining. 

Aktive Maßnahmen

Aktive Maßnahmen kann der Patient selbst ergreifen. Das betrifft beispielsweise aktives Sitzen an der Bettkante, Mobilisierung im Stand, Gehversuche und Gehübungen sowie Bewegungsübungen mit etwaigen Hilfsmitteln.

Für wen eignet sich Frühmobilisierung nicht?

Es gibt Konditionen, die eine Frühmobilisierung einschränken bzw. unmöglich machen. 

Einschränkende Faktoren sind 

  • Beatmung
  • offene Brüche
  • erhöhter intrakranieller Druck
  • Kreislaufunterstützungssysteme
  • Patient ist zu jung (oder weist eine mangelnde Entwicklungsstufe auf)
  • der Patient kooperiert nicht

Trotz dieser Faktoren lassen sich gewisse Maßnahmen der Frühmobilisierung durchführen, beispielsweise eine Mobilisierung in den Rollstuhbei Beatmungl. Eine wirkliche Kontraindikation liegt nur vor, wenn selbst die 30°-Lagerung ausgeschlossen ist, und dies ist der Fall bei:

  • Instabiler Wirbelsäulenfraktur
  • Reanimation
  • Zu hohem intrakraniellem Druck
  • Aktiver Blutung
  • Agitiertem Delir

Bei Lagerungspositionen liegen etwaige andere Kontraindikationen vor, bei der Bauchlagerung beispielsweise schwere operativ nicht versorgte Gewichtstraumen.

Hier erhalten Sie weitere, detaillierte Informationen

Das Deutsche Netzwerk Frühmobilisierung beatmeter Intensivpatienten bietet Informationen, Erfahrungen, Vorträge und Fortbildungen an und fördert die Umsetzung von Frühmobilisierung in der Praxis.

Quellen: 

Katholisches Klinikum Koblenz – Montabaur 
AWMF 
SpringerLink

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