speiseplan-essen

Frischer Wind in der Ernährung in den WGs für Menschen mit Demenz

Geschrieben von Johannes Schleicher am 19. April 2021
Kategorie: Pflege

19

"Man ist, was man isst", heißt es fast boshaft in einem alten deutschen Sprichwort. Und natürlich liegt da viel Wahres drin, denn schließlich besteht der Körper aus den Nährstoffen, die wir ihm durch die Nahrung geben. Wir können dem Körper durch die Nährstoffe, die wir ihm durch das tägliche Essen zuführen oder enthalten – Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe – Gutes tun oder ihm auch schaden.

Weiterführende Infos

Gerade im Alter wird Ernährung immens wichtig, da zwar der allgemeine Energiebedarf sinkt, aber immer noch die gleiche Nährstoffdichte erforderlich ist wie bei jungen Menschen. 

Einfach so weiter zu essen wie bisher und nur die Portionsgröße zu reduzieren, könnte zu einer Unterversorgung an Nährstoffen und zu gesundheitlichen Nachteilen beitragen. Was heißt das im Umkehrschluss? Die Mahlzeiten müssen eine höhere Dichte an Vitaminen und Mineralstoffen aufweisen. Und das geht am besten, wenn mit frischen Zutaten gekocht wird.  

Dennoch wird eine ausgewogene, frische und nährstoffreiche Ernährung in der Pflege oft noch vernachlässigt.

Das widerspricht allerdings unserem ganzheitlichen Ansatz. Gute Pflege muss den Menschen im Gesamten und alle Bereiche des Alltags betrachten. Und das schließt selbstverständlich auch die Ernährung mit ein.

Wir tun alles dafür, dass die Menschen, die wir betreuen, bestmöglich versorgt werden. 

Deshalb bringen wir derzeit frischen Wind in die Mahlzeiten unserer Bewohner. Mit einer frischen, gesunden und nährstoffreichen Ernährung kann man das Immunsystem stärken, Krankheitsbilder wie Gicht oder Rheuma abmildern und auch Blutdruck, die Verdauung und das Herz-Kreislaufsystem unterstützen. 

Dazu haben wir mit Steve Breuer geredet. Steve ist Teamleiter in zwei unserer WGs für Menschen mit Demenz.

Was wird anders gemacht – und schmeckt das auch?

Zunächst einmal wird jetzt darauf geachtet, dass immer frisch gekocht wird. Außerdem werden jetzt vor allem Bio-Zutaten verwendet. Abgesehen davon wird der Fleischkonsum heruntergefahren. Lieblingsgerichte und Sonderwünsche werden natürlich nach wie vor gekocht oder kommen dann fürs nächste Essen auf den Plan. 

Und ja, den meisten schmeckt's gut, meint Steve. Natürlich kommen die Gerichte nicht bei jedem an – mit alten Gewohnheiten bricht man schwer und es wird auch Neues ausprobiert, was vorher nicht auf der Karte stand. Wenn dem so ist, dann wird nach Alternativen für den entsprechenden Bewohner gesucht, die er gerne mag. Verzichten muss niemand. 

Es wird auch versucht, Altbekanntes mit frischen Lebensmitteln zu kochen. Statt den Dosenmöhrchen gibt's dann frisches Gemüse, statt Fertigsauce selbst gekochte. Und Kartoffelpüree aus der Tüte kommt nicht in die Tüte ;)

Den meisten schmeckt auf jeden Fall, was so, mit viel Liebe gekocht, auf den Tisch kommt! 

Ist es aufwendiger, das zu kochen?

Ist es. Aber die Bewohner freuen sich darüber, wenn sie mehr involviert sind und schnippeln können. Da ist man wieder mit dabei und macht mit – das freut tierisch, erzählt Steve. 

Und natürlich ist es aber auch toll von den Pflegekräften, dass sie den Mehraufwand zugunsten der Bewohner in Kauf nehmen.

Das kostet doch bestimmt auch?

Es kostet etwas mehr, das ist richtig. Das derzeitige Hausgeld muss leicht angepasst werden.  Die Erhöhung steht jedoch in keinem Verhältnis zu der Qualität der Mahlzeiten, die die Bewohner erhalten.

19
Sie wollen die neusten Beiträge zum Thema “Pflege” erhalten? Jetzt anmelden newsletter-abo newsletter-abo-mobile