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Zuhause leben mit Demenz – ist das möglich?

Geschrieben von Johannes Schleicher am 18. Februar 2021
Kategorie: Allgemein

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Wird man selbst oder der Partner mit Demenz diagnostiziert, kommt selbstverständlich die Frage auf, wie sich das Leben in der Zukunft gestalten wird. Ist es bei fortschreitender Krankheit noch möglich, den betroffenen Menschen zuhause zu versorgen?

Inhalt:

Weitere nützliche Infos

Natürlich haben die persönlichen Kapazitäten Grenzen und es ist nicht unbedingt uneingeschränkt möglich, dass der Angehörige mit Demenz zuhause wohnen bleibt. Jeder Mensch, jede Situation ist anders und letztendlich muss von Fall zu Fall entschieden werden, wie man vorgeht. Daher gehen wir in diesem Beitrag auch auf alternative Wohnformen ein.

Doch gibt es einige Vorgehensweisen, mit denen das Leben zu Hause auch länger gewährleistet werden kann.

Informieren Sie sich frühzeitig

Das frühzeitige Erkennen einer Demenz ist nicht unbedingt leicht. Schusselig und vergesslich war man vielleicht früher bereits, auch Orientierungsprobleme sind auch bei nicht dementen Menschen keine Seltenheit. 

In unserem Beitrag 10 Fakten zu Demenz haben wir unter Punkt 10 Symptome zusammengefasst, die auf eine Demenz hindeuten könnten.

Im Beitrag zu Depressionen im Alter haben wir beschrieben, wie man Demenz von Symptomen einer Depression unterscheiden kann.

Fragen Sie Ihren Hausarzt

Ist man im Zweifel darüber, ob man eine beginnende Demenz hat, sollte man den Hausarzt einschalten. Nicht nur kann dieser überprüfen, ob eine Demenz vorliegt, sondern er kann Sie auch an Organisationen weitervermitteln, die Ihnen helfen können, wenn Ihr Angehöriger tatsächlich erkrankt ist.

Frühzeitig zu wissen, was Sache ist, hilft auch dabei, frühzeitige Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Mehr dazu können Sie in unserem Beitrag "Demenz – so kann man dabei helfen, den Verlauf zu verzögern" erfahren.

Auch Angehörige sind betroffen

Abgesehen davon sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Demenz nicht nur eine Änderung im Leben des betroffenen Menschen darstellt, sondern dass sich auch das Leben des Angehörigen ändern wird. Und das ist ein Faktor, der nicht unterschätzt werden darf. 

Viele Angehörige von Menschen mit Demenz sind überfordert mit der Situation. Die Mehrbelastung durch die nötige Betreuung kann zu einer Herausforderung werden.

Deshalb sollte man auch frühzeitig damit beginnen, sich Entlastungsangebote zu suchen. 

Entlastungsangebote für Angehörige

Die Betreuung und Versorgung eines Menschen mit Demenz kann anstrengend werden; vor allem, wenn man beispielsweise berufstätig ist oder sich um Kinder kümmern muss etc. Um sich zu entlasten, kann man mehrere Betreuungsangebote in Anspruch nehmen.

Ambulante Pflege

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Ein ambulanter Pflegedienst kann Ihnen bei der Grundpflege und der Behandlungspflege zur Hand gehen. Auch hauswirtschaftliche Leistungen wie den Hausputz oder das Einkaufen können übernommen werden.

Tagespflege

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In einer Tagespflege werden die Gäste tagsüber, also zum Beispiel von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr betreut. Ein Fahrdienst holt sie morgens ab und bringt sie nachmittags wieder nach Hause. So können Angehörige tagsüber einem Beruf nachgehen oder sich um die Kinder kümmern etc.

Achtung:

Manche Tagespflegen nehmen keine Menschen mit Demenz auf, da für deren Betreuung und Pflege besondere Kenntnisse und eine besondere Sensibilität vonnöten sind. 

Andere Tagespflegen – wie beispielsweise unsere Tagespflegen in der Burgmühle und in der Bahnhofspassage in Brandenburg an der Havel – sind auf die Betreuung von Menschen mit Demenz spezialisiert.

Verhinderungspflege

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42 Tage, also 6 Wochen im Jahr, steht pflegenden Angehörigen die Verhinderungspflege zu. Das heißt, dass für diese Dauer, die man sich individuell einteilen kann, eine Pflegekraft sich um den Menschen mit Demenz kümmert, während man selbst eine Auszeit nehmen kann.

Mehr Informationen zur Verhinderungspflege haben wir Ihnen in unserem ausführlichen Beitrag zu diesem Thema zusammengefasst.

Finanzierung der Betreuung von Menschen mit Demenz

Die Kosten für die Betreuung von Menschen mit Demenz werden von den Pflegekassen mitfinanziert, wenn die pflegebedürftige Person einen Pflegegrad hat. Wie hoch die Beteiligung der Kasse ist, richtet sich nach der Höhe des Pflegegrades, der zugeteilt wurde.

Mehr dazu können Sie in unserem umfassenden Beitrag zu den Pflegegraden 1, 2, 3, 4 & 5 erfahren.

Für die tatsächlichen Kosten informieren Sie sich am besten bei der betreffenden Tagespflege, da die Preise sich unterschiedlich gestalten.

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen

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Nach §45b SGB XI bekommen pflegebedürftige Menschen, die ambulant gepflegt werden, 125€ im Monat zur Verfügung gestellt, die sie für Betreuungs- und Entlastungsleistungen verwenden können. Dieser Betrag ist pflegegradunabhängig. Darüber hinaus ist er zweckgebunden, dient aber, wie der Name schon sagt, dazu, pflegende Angehörige zu entlasten.

Mehr Infos erhalten Sie in unserem Beitrag zu den zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach §45b SGB XI.

Barrierefreiheit für Menschen mit Demenz

Im Alter lebt man gefährlicher – der Körper wird unflexibler, schwächer, man verliert leichter das Gleichgewicht. Das ist ganz normal und erfordert eine eigene Vorsicht.

Darüber haben wir in unserem Beitrag zur Sturzprophylaxe einige Tipps gegeben.

Auch zur allgemeinen Barrierefreiheit haben wir bereits die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Auf welche Aspekte muss man aber zusätzlich bei Menschen mit Demenz achten, wenn sie weiterhin im eigenen Zuhause leben sollen?

Orientierungshilfen

Die Orientierungsfähigkeit lässt bei Menschen mit Demenz nach. Um zu gewährleisten, dass das Gesuchte leichter gefunden wird, eignen sich Beschriftungen sehr gut. Das gilt für Räume, aber auch beispielsweise für den Inhalt von Schubladen. Räume kann man auch unterschiedlich farblich gestalten, sodass es leichter fällt, zu erkennen, in welchem Raum man sich gerade befindet. 

Es ist auch von Vorteil, dunkle Böden sowie komplexe Muster zu vermeiden, weil diese verwirrend und beängstigend wirken können. 

Sicherheitsmaßnahmen

  • Gefährliche Gegenstände – Messer, Feuerzeuge, Medikamente etc. – sollten so verstaut werden, dass man sie nicht ohne weiteres findet, bzw. unter Verschluss gehalten werden. 
  • Mit einem Hausnotrufsystem kann der Betroffene selbst Hilfe zu holen, wenn der pflegende Angehörige gerade nicht vor Ort ist.
  • Eine automatische Herdabschaltung, eine autmatische Bügeleisenabschaltung etc. kann installiert werden, um diese Geräte nach einer gewissen Zeit abzuschalten, wenn die betroffene Person vergisst, das selbst zu tun

Alternative Wohnformen

Natürlich gibt es Grenzen. Demenz ist eine fortschreitende Krankheit. Je nach Verlauf kann es schnell immer schwerer werden, die Betreuung des betroffenen Menschen zuhause zu bewältigen, mit oder ohne Hilfsangeboten. 

Wenn man beginnt, sich mit der Pflege des Menschen mit Demenz überfordert zu fühlen, sollte man über alternative Betreuungsmodelle nachdenken.

Allzuoft erscheint hier das Pflegeheim als einzige Möglichkeit. Allerdings gibt es verschiedenste andere Angebote, die Menschen mit Demenz eine häusliche Umgebung bieten, in der sie sich wohl fühlen können, in der sie jedoch gleichzeitig die Sicherheit genießen, die ihnen die ständige Anwesenheit von Pflegekräften bietet. 

Betreutes Wohnen

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Im Betreuten Wohnen ist die Person mit Demenz Mieter einer eigenen Wohnung, die allerdings in der Regel Teil einer Wohnanlage ist, um die sich ein Pflegedienst kümmert.

Die Jedermann Gruppe bietet Betreutes Wohnen an verschiedenen Orten in Brandenburg an der Havel an: 

Bei diesem Konzept sind Pflegekräfte ständig erreichbar, jedoch nicht ständig anwesend. Das bedeutet Sicherheit bei gleichzeitiger Unabhängigkeit. 

Man muss zwar in den sauren Apfel beißen und das eigene Zuhause gegen ein neues austauschen, dafür profitiert man von der Barrierefreiheit der neuen Behausung sowie von der bereits erwähnten Sicherheit.

Ausführlicher haben wir das Betreute Wohnen in einem eigenen Beitrag beschrieben.

Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz

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Bei fortgeschrittener Demenz empfehlen sich Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. Jeder hat dort sein eigenes Zimmer, lebt aber – wie in einer WG – mit anderen zusammen. Hier sind ständig Pflegekräfte anwesend und kümmern sich um die Pflege und die Sicherheit der Bewohner. 

Auch WGs bieten wir in Brandenburg an der Havel an:

Falls Sie weitere Informationen wünschen, empfehlen wir Ihnen das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums. 

Die dortigen Ansprechpartner gewährleisten Ihnen eine umfassende, kompetente und verbindliche Beratung. Sie stehen Ihnen zu den folgenden Zeiten zur Verfügung:

Montag-Donnerstag: 8 bis 18 Uhr

Freitag: 8 bis 12 Uhr

Mit der folgenden Durchwahl gelangen Sie zum Bürgertelefon für alle Themen der Pflegeversicherung:

030 / 340 60 66 - 02

Für Gehörlose und Hörgeschädigte gibt es die Faxnummer

030 / 340 60 66 - 07

sowie die Email-Adressen: info.deaf@bmg.bund.de und info.gehoerlos@bmg.bund.de

Ein Gebärdentelefon steht ebenfalls zur Verfügung:

ISDN-Bildtelefon: 030 / 340 60 66 - 08

Video over IP: gebaerdentelefon.bmg@sip.bmg.buergerservice-bund.de

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